Friedenstüchtigkeit

Ausgabe 3/2026
2013 sorgte ein Werbespot der Bundeswehr hier und da für Empörung: Feixende Soldaten machen mit ihren Bomben auf dem Meer tolle Fontänen. So sorgen sie dafür, dass die Bananen über den Seeweg im Supermarkt ankommen. Das kleine Mädchen, das an Mamas Hand einkaufen geht, kann wieder lachen. Heute geht es auf den Plakaten zum Beispiel darum, etwas zu machen. Was genau gemacht wird, also produktiv sein soll beim Militär, bleibt offen. Wohl eher geht es um das Kaputt-Machen von Leben, Infrastruktur und Natur. Sterben und Töten blendet banaler Militarismus konsequent aus. (…)
1983 erschien die Erzählung „Kassandra“ von Christa Wolf. Darin fragt sie: „Wann Krieg beginnt, das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg. Falls es da Regeln gäbe, müsste man sie weitersagen, in Ton, in Stein eingraben, überliefern. Was stünde da? Da stünde, unter andern Sätzen: Lasst euch nicht von den Eignen täuschen.“
Fragen stellen. Immer wieder: Wem nutzt es? Und wer zahlt den Preis? Wessen Geschichte wird nicht erzählt? „Die Realität ist die stärkste Waffe der Friedensbewegung“, schreibt die norwegische Journalistin Linn Stalsberg in „Krieg ist Verachtung des Lebens. Ein Essay über den Frieden“ (2025).
Sprache greift ins Denken ein und ist also ein Kampffeld. Kriegstüchtigkeit zum Beispiel. Was soll tüchtig sein an einem Krieg? Kriege sind Ausdruck und Folge totalen Versagens. Faul sind diejenigen, denen reden zu mühsam erscheint. Rückgrat hat, wer Nein sagt. Haltung zeigt, wer Verrohung nicht mitmacht. Naiv ist, wer meint, dass Frieden durch Siege errungen wird. Geschichtsvergessen, wer behauptet, die Friedensbewegung sei schuld am 2. Weltkrieg. Solidarisch ist, Kriegsdienstverweigerern Zuflucht zu bieten. Wer Bomben wirft und mit Drohnen tötet ist nicht mutig, sondern feige. Immer wieder in der Geschichte haben gewaltfreie Aktionen Menschenleben gerettet – an der Front wird zu Tausenden gestorben.
Frieden ist Arbeit: Stetes Bemühen um ein gerechtes Miteinander hat mit Aussitzen nichts zu tun. (…)
– Auszug aus der Einleitung von Melanie Stitz
Inhalt dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Friedenstüchtigkeit
von Melanie Stitz
„Frauen Europas, wann erschallt Euer Ruf?“
von Anna Schiff
„Schließt Euch zusammen, organisiert Euch für Frieden und Freiheit“
Friderike Zweig (1882–1971), eine leidenschaftliche Kriegsgegnerin
von Christiana Puschak
Grammatik des Krieges
Beobachtungen zur Militarisierung der Gegenwart
von Claudia Brunner
Kein Frieden im und mit dem Patriarchat
von Tina Berntsen
„Wir verlieren den Blick auf das Wesentliche!“
vom Bündnis für ein gemeinwohlorientiertes Gesundheitswesen
Friedensstifterinnen in Afrika
von Rita Schäfer
Visionen für den Frieden
vom Frauennetzwerk für Frieden e.V.
Meine feministische Wahrheit
Militär, was willst du von uns Frauen?
von Jana Avanzini
Krieg & Frieden
Die brasilianische Landlosen-Bewegung:
Kapitalismus und Patriarchat überwinden
von Trude Menrath
WHO CARES?! Kämpfe um Reproduktion und Gewerkschaftsarbeit
Feminist Futures II: Feministisch vergesellschaften
Interview vom Netzwerk Care Revolution mit Melanie Stitz
Embodiment, Achtsamkeit und Stressresilienz – ein Workshop-Bericht
von Gabriele Bischoff
Projekte
Feministische Lesekreise als revolutionäre Räume
Eine Handreichung zum Selbermachen
von Klara Schneider
Kultur
Ausstellung „Frieden tun.“
von Tina Berntsen
Herstory
Kampf dem Rassismus: Die Selbstorganisierung Schwarzer Menschen in Deutschland
von Katharina Oguntoye
Die Erfindung des Rape-Kits
Martha Goddard (1941–2015)
von Klara Schneider
Gesehen
NO MERCY – eine radikale Bestandsaufnahme
von Gudrun Lukasz-Aden und Christel Strobel
Daten und Taten
Marina Abramovic / Elfriede Jelinek
von Anna Schiff
… und sonst
Hexenfunk
Gehört
Gelesen
Die Zeitschrift kann direkt hier über unsere Webseite bestellt werden.












