Mobilität

Ausgabe 1/2026
Hinter scheinbar neutralen Verkehrssystemen, Stadtstrukturen und Technologien verbergen sich geschlechtsspezifische Machtverhältnisse, soziale Ungleichheiten und Ausschlüsse. Auf diese Tatsache machte Caroline Criado-Perez in ihrem Bestseller „Unsichtbare Frauen“ (2020) aufmerksam. So orientiert sich Stadtplanung oft an männlichen Pendlerbiografien – linear, vom Vorort zur Arbeitsstätte und zurück.
Feministische Stadtplanung versteht Mobilität dagegen eher als Abfolge von Wegen – zwischen Kinderbetreuung, Pflege, Lohnarbeit und Einkauf. Wer Mobilität plant, plant also auch Care-Arbeit. Die Stadt Wien spricht in diesem Zusammenhang in ihrem Konzept zur „geschlechtssensiblen Verkehrsplanung“ von „Begleit- und Versorgungswegen“ und nimmt insbesondere Fußgänger:innen in den Blick.
Für einen kostenlosen ÖPNV protestierte eine non-binäre Person aus Leipzig, indem sie ohne Ticket Bahn fuhr, dafür mit einem Pappschild: „Ich fahre ohne gültigen Fahrschein! Es ist genug für alle da. Mobilität sollte keine Klassenfrage sein.“ Mit dem Hinweis sei der Straftatbestand des Erschleichens von Leistungen nicht erfüllt, urteilte das Amtsgericht Leipzig Mitte November 2025.
Bündnisse wie die Kampagne Wir fahren zusammen von Fridays for Future und ver.di zeigen ebenso: Die Mobilitätswende ist keine technische, sondern eine soziale Frage. Mobilität für alle funktioniert nur, wenn die Beschäftigten im ÖPNV gute Arbeitsbedingungen haben. Kluge Stadtplanung denkt autofreie Innenstädte genauso mit wie die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die auf Autos angewiesen sind. Es geht um das Recht, sich zu bewegen – und das Recht, bleiben zu können.
– Auszug aus der Einleitung von Klara Schneider
Inhalt dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Mobilität
von Klara Schneider
Verpesten, verbrennen, verdrängen: Petromaskulinität und ihre Folgen
von Melanie Stitz
Zwei Flâneusen in Chemnitz
von Mara Luise Günzel
Barrierefrei – mehr Selbstbestimmung für alle
von Dr. Monika Rosenbaum
3 Milliarden Kilometer – bleibt da Gerechtigkeit auf der Strecke?
von Annegret Kunde
Die Freiheit, bleiben zu dürfen
von Leo Paulsen
Bertha Züricher (1869–1949)
„… da ich neben der Künstlerin auch Feministin bin …“
von Christiana Puschak
Meine feministische Wahrheit
Eine Krankenhausplanung, die Ungleichheit zementiert
NRW als Blaupause einer Reform auf Kosten von FLINTA*
von Sabine Lassauer
Krieg & Frieden
Feminismus in Tarnfarben? Die mediale Fantasie der kämpfenden Frau
von Robin Welsch
(zuerst erschienen im AUSDRUCK: „Feminismus heißt Antimilitarismus“, Magazin der Informationsstelle Militarisierung e.V. (IMI), Ausgabe 123/Dezember 2025)
Frauenrechte und demokratische Selbstverwaltung in Gefahr: Stimmen zu Rojava
zusammengestellt von Tina Berntsen
WHO CARES?! Kämpfe um Reproduktion und Gewerkschaftsarbeit
I deliver it my way – Señoritas Courier kämpfen für faire Lieferdienste
von Annegret Kunde
Projekte
YallaFAHR – Frauen auf’s Rad
von Tina Berntsen
Kleines Lexikon der Frauenfreundschaften
Sonderdruck der Wir Frauen zum Bestellen und Verschenken
Herstory
„… lebt jede lesbische Mutter im Falle einer Scheidung im Ausnahmezustand“
Sorgerechtsentzug bei lesbischen Müttern 1946–2000 in Nordrhein-Westfalen
von Gabriele Bischoff
Bevor es den Begriff gab: Anarchafeminismus in Spanien 1936–1939
von Gabriele Bischoff
Nachrufe: Gertrude Degenhardt (1940–2025) und Margot Schroeder (1937–2025)
von Florence Hervé
Gesehen
Internationales Frauen Film Fest Dortmund+Köln
22.-26. April 2026 in Köln
Daten und Taten
Silvia Bovenschen
von Anna Schiff
Lucy E. Parsons
von Leo Paulsen
… und sonst
Hexenfunk
Gehört
Gelesen
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