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Winter 4/2023

Who’s Afraid Of Stardust? Positionen queerer Gegenwartskunst

1.2.2024 - 15:00   Nürnberg

// Kunsthalle Nürnberg: 21. Oktober 2023 – 11. Februar 2024 //

Die Ausstellung präsentiert Werke von 30 Künstler*innen, die Aspekte queeren Lebens thematisieren und durch ihre spezifischen Sichtweisen auf soziale Machtstrukturen einen substanziellen Beitrag zur aktuellen Debatte über Diversität leisten.

Queere Kunst und Künstler*innen gibt es wohl seitdem der Mensch sich künstlerisch äußert. Queere Theorie und Kunstgeschichte sind hingegen relativ neue Disziplinen. Der feministischen Kunstgeschichte ähnlich beginnen Wissenschaftler*innen in den 1970er- und 1980er-Jahren, den klassischen Kunstkanon neu zu betrachten. Publikationen über Künstler wie Donatello, Verrocchio, Leonardo da Vinci oder Michelangelo berücksichtigen bei der Werkanalyse nun auch deren Homosexualität.

Parallel vollzieht sich auch in der bildenden Kunst ein Wandel in der Sichtweise: Damals feierte Andy Warhol Dragqueens und trans*-Menschen wie Candy Darling, Holly Woodlawn oder Edie Sedgwick als Musen und holte sie vor die Kamera. Keith Haring nutzte in den 1980er-Jahren seine ikonische Kunst immer wieder im Kampf gegen HIV, und auch Peter Hujar fotografierte jene Menschen, deren Leben und Identitäten verleugnet und deren Leiden ignoriert wurden. Denn nach einem emanzipatorischen Aufbruch der queeren Community in den 1970er-Jahren löste die Ausbreitung des Virus eine unfassbare Krise aus. In der öffentlichen Wahrnehmung war die Infektionskrankheit eng mit männlicher Homosexualität verknüpft. Die Debatte um HIV und Aids verschärfte und generierte eine queerfeindliche Haltung, und nicht nur in den Augen der Kirchen und Konservativen galt HIV als göttliche Strafe.

Heute erfährt queere Gegenwartskunst internationale Aufmerksamkeit, die auch eine neu gewonnene Sichtbarkeit von gender-nonkonformen Künstler*innen und Inhalten umfasst. Die Ausstellung Who’s Afraid Of Stardust? Positionen queerer Gegenwartskunst zeigt Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Videoarbeiten, Skulpturen, Performances, Raum- wie Lichtinstallationen von 30 Künstler*innen. Heterogen sind die Identitäten, Lebensmodelle und Ausdrucksweisen, die in der LGBTIQA*-Szene zusammenfinden. Variantenreich sind auch die künstlerischen Kommentare, die um Leben und Begehren jenseits der Heteronormativität kreisen, mit Geschlechterrollen und -grenzen spielen und zu einer Überprüfung begrenzter Vorstellungen von Geschlecht und Identität auffordern.

Zur Ausstellung ist ein umfangreiches Magazin im Verlag für moderne Kunst erschienen (200 Seiten, 19 Euro). Im Mittelpunkt stehen die an der Ausstellung beteiligten Künstler*innen. Zugleich ist das Magazin auch eine Fundgrube für alle Leser*innen, für die Queerness noch Neuland ist: Das Magazin enthält neben einem Glossar, das zentrale Begriffe erläutert, auch Interviews mit Wissenschaftler*innen der Gender und Queer Studies, Texte über queere Pop- und Filmgeschichte, Ballroom Culture, queere Mode, die Geschichte der Prides in Deutschland sowie die Entwicklung des § 175. Literarische und gesellschaftspolitische Texte u. a von Hengameh Yaghoobifarah, Daniel Schreiber und Benno Gammerl ergänzen den multi­perspektivischen Blick auf queere Kultur.

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