Logo
Sommer 2/2024

Feministische Herbstakademie: Marxistin-Feministin Sein. Ein im Gehen zu erkundender Weg

20.10.2023 - 18:00   Bielefeld

// Bielefeld, 20.-22.10.2023 //

Feminismus ist ein umkämpfter Begriff – nicht erst, seit im Namen einer »feministischen Außenpolitik« Militärbudgets erhöht und Kriege als Kämpfe um Frauenrechte gerechtfertigt werden. Doch dass es in aktuellen politischen Auseinandersetzungen (wieder) möglich ist, so mit dem Begriff umzugehen, zeigt seine Unschärfen besonders deutlich. Mit diesen Unschärfen hadern offenbar auch viele, die versuchen, aus Diskriminierungserfahrungen emanzipatorische, linke Politik zu entwickeln. Sich also gar nicht mehr als feministisch zu bezeichnen oder den Begriff immer weiter auszudifferenzieren, dient auch zur Abgrenzung von einem »Feminismus«, der droht, zu Forderungen nach Gleichstellung in Aufsichtsräten, Quotierung in Dax-Vorständen und ähnlichen Verteilungsfragen unter Privilegierten zu verkommen.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Herbstakademie seit mittlerweile 13 Jahren als Ort, an dem wir gemeinsam Möglichkeiten und Hindernissen für feministische Kämpfe ums gesellschaftliche Ganze ausloten können. Dabei inspirieren uns Bewegungen für Sorgende Städte und Arbeitskämpfe im Gesundheitswesen, Frauenstreik-Bündnisse oder auch lateinamerikanische Aktivistist:innen, die feministische Kritik am globalen Schuldensystem üben. Wir wollen den Feminismus auch weiterhin nicht aufgeben – bei aller Kritik, die wir an zahlreichen seiner realpolitischen Erscheinungsformen haben.

Deshalb nutzen wir die diesjährige Herbstakademie zu einer Standortbestimmung: Worum geht es uns, wenn wir von Feminismus sprechen? Welche konkreten gesellschaftlichen Veränderungen wollen wir als marxistische, linke Feministinnen erkämpfen? Auf welche theoretischen Grundlagen können wir uns dabei beziehen? Dabei interessiert uns besonders, welche Folgen eine derartige Verortung auch für uns selbst in unseren sozialen Bezügen hat. Was bedeutet es beispielsweise, wenn ich mich als Gewerkschafterin auf Frigga Haugs Satz »Geschlechterverhältnisse sind Produktionsverhältnisse« beziehe? Welche Grenzen überschreite ich in Frauenzusammenhängen, wenn ich Feminismus mit einer dezidiert sozialistischen gesellschaftlichen Perspektive verknüpfe?

Wir wollen uns also auf verschiedenen Ebenen darüber austauschen, was heute einen Feminismus ausmacht, der eine bessere Welt für alle erkämpfen will. Es wird um Türen gehen, die sich geöffnete haben, Schwellen, die zu überschreiten sind, um Selbstveränderung und Veränderung der Umstände, um tröstliche Theorie und revolutionäre Realpolitik.

Veranstalterinnen:
Institut für Kritische Theorie Berlin (feministische Sektion), ver.di Institut für Bildung, Medien und Kunst (ver.di IMK) im Bunten Haus in Bielefeld, Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW