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Sommer 2/2019

Rosa Manus

Die Organisatorin (Geboren 20.8.1881 in Amsterdam / Gestorben 28.4.1943 in Ravensbrück)

Das Internet schweigt sich über die niederländische Feministin aus und auch die Fachliteratur erzählt wenig über die einstige Vizepräsidentin des Weltbundes für das Frauenstimmrecht und Gründerin des Internationalen Archivs der Frauenbewegung. Dabei sah Rosa Manus genau darin ihre Lebensaufgabe: Frauen Präsenz und eine Stimme zu verschaffen.

Am 20. August 1881 wird Rosette Susanna Manus in eine wohlhabende jüdisch-niederländische Familie hineingeboren. Nach dem Besuch eines Mädchenpensionats in der Schweiz will sie nur eins: unabhängig sein.

Heimlich plant sie die Eröffnung eines Modegeschäfts. Doch der Traum platzt. Vater Manus, ein erfolgreicher Tabakhändler, ist der Meinung, dass großbürgerliche Frauen kein Geld verdienen sollten.

>Als Saalordnerin bei der dritten Konferenz des „Weltbundes für Frauenstimmrecht“ in Amsterdam lernt Rosa Manus 1908 den Feminismus und Carrie Chapman Catt, die Vorsitzende des Weltbundes, kennen. Beeindruckt von Manus‘ organisatorischen Fähigkeiten, holt Catt die 27-Jährige nach London. Sprachbegabt und abenteuerlustig, so reist Rosa Manus für den Frauenbund durch Südamerika, den Vorderen Orient, nach Bulgarien, in die Türkei. Sie ermuntert Frauen auf der ganzen Welt, sich am Kampf für ihre Rechte zu beteiligen. Rosa Manus ist keine Frontfrau. Sie ist die Sekretärin, die Assistentin, die Vizepräsidentin. Sie agiert effektvoll im Hintergrund, versteht schon Anfang des 20. Jahrhunderts die hohe Kunst des Fundraisings und weiß, wie wichtig gute Öffentlichkeitsarbeit ist.

Sie ist nicht die Stimme der Frauenbewegung, sie organisiert sie. Für die große Abrüstungskonferenz des Völkerbundes 1932 sammelt die Netzwerkerin über acht Millionen Unterschriften. Sie gewinnt Präsidentengattin Eleanor Roosevelt für die Kampagne gegen ein Berufsverbot verheirateter Frauen. Und realisiert eine Ausstellung, die über 300.000 internationale BesucherInnen zählt.

1935 gründet Rosa Manus das „Internationale Archiv der Frauenbewegung“ (IAV) in Amsterdam. Die Nationalsozialisten verschleppen die Sammlung 1941 und verhaften die Jüdin. Sie stirbt im Frühjahr 1943 in Ravensbrück. Auf ihrem Grabstein steht: „Rosa Manus (…) hat ihr Organisationstalent und ihre Menschenkenntnis, ihre Energie und ihr Vermögen darauf verwendet, Frauen voran zu bringen.“ Weiterführende Informationen: www.aletta.nu

Anna Hoff