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Herbst 3/2020

Monika Gerstendörfer

alias Franziska Kelly – alias Tara Tamon / Geboren 26.11.1956 in Brandenburg, Gestorben 18.2.2010

Viel zu früh ist ihre Stimme verstummt: Monika Gerstendörfer – Menschenrechtsaktivistin, Publizistin, Autorin, streitbare politische Lobbyistin. In Schubladen wollte sie sich nie einsortieren lassen; ihr Engagement war ganzheitlich und grenzüberschreitend. „Mut und Kampfgeist“ nannte sie selbst als ihre wichtigsten Charakterzüge.

Gebürtige Brandenburgerin, flüchtete sie 1961 mit den Eltern nach Westdeutschland. Sie studierte Sprachwissenschaft, Psychologie und Psycholinguistik. Nach einigen Jahren Auslandsaufenthalt, nach ersten Karrierejahren in gut dotierten Jobs widmete sie sich ganz der Menschenrechtsarbeit und ihrer Arbeit als Schriftstellerin. Finanzielle Nöte begleiteten sie fortan, denn Menschenrechtsarbeit wird zwar gelobt, aber nicht bezahlt.

Sie schrieb Sachbücher, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben (Sine Laude – Sexismus an deutschen Hochschulen – 1994; Der verlorene Kampf um die Wörter – opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt – 2007), veröffentlichte eine schier unüberschaubare Menge von wissenschaftlichen Abhandlungen und Aufsätzen, betätigte sich als Krimiautorin unter dem Pseudonym „Franziska Kelly“ (Million Dollar Mama, Das Schweigen des Lammragouts – beide 2008, Als sei nichts gewesen – 2009 ) und verfasste Bücher für Kinder und Erwachsene unter dem Pseudonym „Tara Tamon“.

Ab 1994 baute Monika Gerstendörfer bei Terre des femmes das Fachreferat „Gewalt gegen Frauen in Deutschland“ auf. 1997 gründete sie die „Lobby für Menschenrechte“. Als größten Erfolg sah sie die Änderung des § 177 StGB, der Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe stellt (1997). Monika Gerstendörfer war tätig beim Deutschen Akademikerinnenbund, beim „Forum Menschenrechte“, arbeitete mehrere Jahre lang in Brüssel im „European Observatory on Violence against Women“ und als Abgeordnete Deutschlands von 2000–2002 im Europarat. Sie gehörte zu den „1000 FriedensFrauen weltweit“, die 2005 für den Friedensnobelpreis nominiert worden waren.

Den Schwerpunkt in all ihrem Engagement sah sie in der sexualisierten Gewalt an Frauen und Kindern und im Kampf gegen die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber diesem Themenfeld.

Der frühe Tod einer der couragiertesten Menschenrechtsaktivistinnen hat eine Lücke hinterlassen bei allen, die mit ihr kämpften und bei den Überlebenden von sexualisierten Verbrechen. Ihnen wollte sie eine Stimme geben, eine Mutmacherin sein. Erika Korn

Erika Korn

Lobby für Menschenrechte e. V.
Website von Monika Gerstendörfer
Märchen, Gedichte, Geschichten und Fabeln von Tara Tamon
Kriminelles, Kulinarisches, Kätzisches von Franziska Kelly