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Sommer 2/2020

Leyla Zana

Geboren 3.5.1961 bei Bahçe, Diyarbak?r, Türkei
„Ich werde mich dafür einsetzen, dass das kurdische und das türkische Volk zusammen in einem demokratischen Rahmen leben können.“

Mit 14 Jahren wurde Leyla Zana mit ihrem 20 Jahre älteren Cousin und Bürgermeister von Diyarbakir, Mehdi Zana, verheiratet, mit 15 bekam sie ihr erstes Kind. 1980 wurde ihr Mann nach dem Militärputsch verhaftet, schwer gefoltert und schließlich 15 Jahre inhaftiert. Zana folgte ihm mit ihren zwei Kindern von Gefängnis zu Gefängnis, lernte lesen, schreiben und die türkische Sprache und bestand als erste Frau Diyarbakirs das Abitur nach Selbststudium. In dieser Zeit gründete sie eine Selbsthilfegruppe für Ehefrauen inhaftierter Männer und entging knapp zwei Attentaten. 1988 wurde sie verhaftet und wochenlang schwer misshandelt.

Nach diesen schrecklichen Erfahrungen initiierte Leyla Zana die Gründung eines Frauenverbandes, engagierte sich in der später verbotenen prokurdischen Demokratischen Partei DEP, setzte sich für das Recht der Kurd_innen auf kulturelle Identität, für friedliche Lösungen des Kurdistan-Konflikts und für die Gleichstellung der Frau ein. 1991 wurde sie als erste Kurdin und als eine von acht Frauen unter 450 Abgeordneten mit großer Mehrheit ins türkische Parlament gewählt. Drei Jahre danach wurde sie als Separatistin verhaftet und zu 15 Jahren Gefängnis wegen Landesverrats und Unterstützung einer terroristischen Organisation verurteilt. Das Todesurteil konnte durch internationalen Druck verhindert werden. 1998 wurde ihre Strafe um zwei Jahre erhöht. Vielzählige internationale Proteste, an denen Wir Frauen beteiligt war, Hungerstreiks, Demonstrationen und Appelle forderten ihre Freilassung. 2002 verurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Vorgehen der türkischen Behörden und bezeichnete es als „unfair“. 2004 hob das Oberste Revisionsgericht in Ankara überraschend die Haftstrafe auf. Nach ihrer Freilassung gründete Leyla Zana eine neue Partei mit, die für eine demokratische Gesellschaft, für eine friedliche Lösung der Kurd_innenfrage und für den Beitritt der Türkei in die EU kämpft. Am 8. April 2010 hat ein türkisches Gericht die kurdische Politikerin erneut zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Leyla Zana wurde vielfach ausgezeichnet: Sie bekam unter anderem den Aachener Friedenspreis und den Sacharow-Menschenrechtspreis des Europa-Parlaments und wurde für den Friedensnobelpreis nominiert. Ihr Name steht als Symbol für Frieden, Demokratie und Gleichberechtigung und für die Rechte des kurdischen Volkes.

Elena Bütow