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Sommer 2/2020

Indisches Gericht erlässt Haftbefehl

AktivistInnen der Clean Clothes Campaign wiederholt von Repression bedroht

Am 26. September erließ das Gericht in Bangalore (Indien) einen Haftbefehl gegen vier AktivistInnen der niederländischen Clean Clothes Campaign (dt. Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung). Den ArbeitsrechtsaktivistInnen werden vom indischen Jeansproduzenten FFI (Fibres and Fabrics International Pvt Ltd) Internetkriminalität, rassistische und fremdenfeindliche Aktivitäten und üble Nachrede vorgeworfen. Die internationale Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung führt seit 2005 eine Aufklärungskampagne über die Zustände in den FFI-Produktionsstätten in Indien, um auf Arbeitsrechtsverstöße aufmerksam zu machen. Lokale Organisationen berichteten von erzwungenen Überstunden, physischen und psychischen Misshandlungen und fehlenden Arbeitsverträgen. FFI produziert u. a. für bekannte Jeansmarken wie Armani, RaRe, G-Star, Guess, GAP und Mexx.

Es ist nicht das erste Mal, dass FFI gerichtlich gegen ArbeitsrechtsaktivistInnen vorgeht. Das Unternehmen hat bereits im Juli 2006 eine Anzeige gegen lokale Arbeitsrechtsorganisationen erstattet. Per Gerichtsbeschluss wurde es lokalen Organisationen verboten, öffentlich über die Arbeitsbedingungen bei FFI zu sprechen.

Hintergrund

Als die Betriebsgewerkschaften Ende 2005 mit Anklagen über Arbeitsrechtsverletzungen wie Überlastung, erzwungene und nicht bezahlte Überstunden, körperliche und psychologische Übergriffe und mehr an die Öffentlichkeit traten, ging das Unternehmen in die Offensive. Von einem örtlichen Gericht erreichte es Ende Juli des Vorjahres die Verhängung einer Nachrichtensperre gegen die Gewerkschaften; im Februar diesen Jahres wurde diese Verfügung erneuert. Das bedeutet, dass die Gewerkschaften und andere Arbeitsrechts-Organisationen unter Strafandrohung keine Informationen über die Arbeitsbedingungen in den beiden Betrieben an die Öffentlichkeit tragen dürfen. Die internationale Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung versucht seit Monaten, FFI/JKPL zu einer Änderung seiner inakzeptablen Politik zu bewegen. Einige Firmen, die dort produzieren, haben zu intervenieren versucht, doch ebenso vergeblich. Die beiden Betriebe sind SA-8000-zertifiziert, was die Arbeitsbedingungen tatsächlich verbessert hat. (Der Social Accountability Standard 8000 ist ein internationales Sozialmanagement-Instrument, das Betriebe aller Branchen zertifiziert; zu seinen Forderungen gehört auch die Gewerkschaftsfreiheit.) SAI, die für die SA-8000-Zertifizierungen zuständige Firma, informierte die Clean- Clothes-Kampagne, dass sie überlegt, die Zertifizierung zurückzuziehen.

Protestieren

Die Clean Clothes Campaign wird sich von dem Unternehmen nicht einschüchtern lassen und fordert ihre UnterstützerInnen zu einer Protestaktion auf. Protest-E-Mails können an das Management der Fabrik FFI geschickt werden:

Oder Protest-E-Mails an

Oder beteiligen Sie sich online unter: www.inkota.de/eilaktionen

Musterbriefe und weitere Informationen unter

Evelyn Bahn, Urgent Appeals Coordinator – Germany, Kampagne für ‚Saubere‘ Kleidung