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Herbst 3/2019

Hexenfunk

Eva Kollisch, bedeutende US-amerikanische Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin und Germanistin, Pazifistin und Feministin, wird 2012 mit diesem Preis geehrt. 1939 flüchtete sie aus Wien mit einem Kindertransport nach Großbritannien und 1940 weiter in die USA. In New York engagierte sie sich in den 1940er Jahren in der Workers Party. Sie studierte Germanistik und Literaturwissenschaften. Neben ihrer akademischen Karriere engagierte sie sich politisch in der Frauen-, der Menschenrechts- und der Friedensbewegung. Seit 2010 ist Eva Kollisch mit ihrer langjährigen Lebensgefährtin, der US-amerikanischen Dichterin Naomi Replansky, verheiratet. Sie lebt in New York. Die Theodor Kramer Gesellschaft vergibt seit 2001 jährlich einen Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil. Mit dem Preis soll nicht die literarische Qualität allein, sondern darüber hinaus die Haltung und das Schicksal der Preisträgerin oder des Preisträgers gewürdigt werden. Aus der Begründung der Jury: „Eva Kollisch hat uns gezeigt, was Exil bedeutet, schon bevor man ins Ausland muss. Sie hat aufs Eindringlichste geschildert, was Kinder einer Minderheit erleben, wenn sie ausgegrenzt werden. (…) Als Erwachsene, im Ausland und in der Freiheit, hat sie die Konsequenz ihrer frühen Erfahrungen gezogen und sich politisch und schriftstellerisch engagiert für Gleichberechtigung und ein humaneres Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunft“. Auszüge aus Eva Kollischs Büchern und weitere Texte sind auf ihrer Homepage www.evakollisch.moonfruit.com nachzulesen. Zur Preisverleihung und einigen Leseabenden wird sie Ende Mai nach Österreich kommen. Termine unter www.theodorkramer.at.

„Auf Frauen bauen!“

Das Projekt „Auf Frauen bauen!“ will Ingenieurinnen darin unterstützen, Führungspositionen zu übernehmen. Es wird realisiert vom FrauenForum Münster e.V. und Frau & Beruf im Kreis Warendorf, Kooperationspartner ist die Ingenieurkammer Bau NRW. „Auf Frauen bauen!“ nutzt eine zweigleisige Strategie: Die Ingenieurinnen gewinnen durch kollegiales Coaching, Workshops und Beratung Unterstützung bei der Berufs- und Karriereplanung. Die Betriebe lernen in Praxis-Seminaren Instrumente der Personal- und Organisationsentwicklung kennen, die ihnen helfen, weibliche Mitarbeiter zu fördern, zu binden und für Führungsaufgaben oder Nachfolge zu qualifizieren. Insgesamt 50 Ingenieurbüros und 30 Ingenieurinnen können an dem Projekt teilnehmen. Die ersten Seminare starten im Mai. Weitere Informationen: www.auf-frauen-bauen.de; www.frauenforum-muenster.de

NRW-Preis Mädchen & Frauen im Sport

Mit diesem Preis wurden die Frauen des interdisziplinär besetzten Arbeitskreises www.rote-karte-koeln.de neben anderen im Sport herausragend engagierten Frauen geehrt. Die Kölnerinnen engagieren sich seit über 10 Jahren für Prävention und Sensibilisierung im Vereinssport und gegen Übergriffe und sexualisierte Gewalt. Unter dem Motto „Respekt vor Grenzen – mehr Spaß am Sport“ hat der Arbeitskreis ein umfangreiches und grundlegendes Präventionskonzept für den Breitensport entwickelt.

„Geschlechtergerechte Hochschulen“

Der letzte Bericht der Europäischen Kommission zur Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft aus dem Jahr 2009 führt Deutschland in der Schlussgruppe auf, hinter Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich. Hier besteht also dringender Handlungsbedarf. Die Verankerung der Geschlechtergerechtigkeit in Forschung und Hochschule ist zudem zwingend notwendig, um zukünftig in ausreichendem Maß an Mitteln aus dem europäischen Forschungsrahmenprogramm partizipieren zu können. Das neu aufgelegte Landesprogramm mit 5,4 Millionen Euro pro Jahr (bis 2014) besteht aus drei Bausteinen: 1. der Stärkung der Gleichstellungsbeauftragten, 2. der Nachwuchsförderung und 3. der Genderforschung. In das „Landesprogramm für geschlechtergerechte Hochschulen“ sind Handlungsempfehlungen aus dem Gender-Kongress 2011 eingeflossen. www.wissenschaft.nrw.de

45 Jahre arbeiten für 140 Euro Rente

7,4 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Stelle auf 400-Euro-Basis, für die sie keine Steuern und Sozialabgaben zahlen. Davon waren Mitte 2011 knapp 4,65 Millionen Frauen. Gut zwei Drittel von ihnen haben ausschließlich diesen Minijob. Für die Altersabsicherung dieser Menschen hat das enorme Konsequenzen, da nur geringe Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung anfallen. Das Bundesarbeitsministerium hat nun ausgerechnet, was dies an Rente bringt. Danach erwirbt ein Minijobber, der ein Jahr lang tätig ist, eine monatliche Rente von 3,11 Euro. Nach 45 Versicherungsjahren beträgt der Anspruch auf Altersgeld auf Grundlage der heutigen Werte nur 139,95 Euro. Diese schockierenden Zahlen veröffentlichte die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken. Auch die geplante künftige Zuschussrente verspricht keine Entwarnung. Die Kritik an der geringfügigen Beschäftigung hatte sich zuletzt deutlich verstärkt. Der DGB fordert eine Reform, zumal sich die Minijobs nicht als Brücke zu einem regulären Vollzeitjob entwickelt haben. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hatte eine Studie vorgelegt, wonach Minijobs zu einer Verfestigung des Niedriglohnbereichs beitrügen. MinijobberInnen verdienen demnach pro Stunde nur halb soviel wie regulär Beschäftigte. Eine Sachverständigen-Kommission sprach sich im „Ersten Gleichstellungsbericht“ der Bundesregierung dafür aus, die Sonderstellung der Minijobs abzuschaffen. Dies lehnt die Bundesregierung ab. Die Koalition will die Verdienstgrenze sogar von 400 auf 450 Euro erhöhen. (Süddeutsche, Hans-Böckler-Stiftung)

„Ich schreibe als Frau, als Lesbe und als Feministin“

Adrienne Rich war jahrzehntelang eine der einflussreichsten Stimmen der US-amerikanischen Frauenbewegung. Über 60 Jahre lang schrieb sie über das Leben von Frauen in der modernen Gesellschaft. Viele dieser Facetten erlebte Rich am eigenen Leib, als Ehefrau, als dreifache Mutter und später auch als homosexuelle Frau. Mit 82 Jahren verstarb sie im März in Santa Cruz, Kalifornien. Bereits mit ihrem ersten Gedichtband gewann sie 1951 die angesehene „Yale Series of Younger Poets Competition. 1963 erschien „Snapshots of a Daughter-in-Law“, in dem Rich das zermürbende Leben einer traditionellen Ehe beschreibt. Mit dem 1973 erschienenen „Diving into the Wreck“ gewann Rich den „National Book Award“, drei Jahre später folgte „Of Woman Born: Motherhood as Experience and Institution“, worin sie erstmals auch aus der Perspektive einer lesbischen Frau schrieb. „Ich schreibe als Frau, als Lesbe und als Feministin“, meinte Rich 1981 gegen-über der Washington Post. In dem 1976 erschienenen „Twenty-One Love Poems“ thematisierte Rich explizit die Liebe zwischen zwei Frauen. Rich beschäftigte sich mehr und mehr mit ihren jüdischen Wurzeln, thematisierte die Shoa oder auch den Kampf afro-amerikanischer Frauen. Rich bekam zahlreiche Stipendien, Preise und Ehrungen. 1992 verzichtete sie auf die höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten für KünstlerInnen, die „National Medal of Arts“. Sie lehnte die Ehrung mit der Begründung ab, die Regierung fördere ökonomische Ungerechtigkeit und Rassismus. Ein paar KünstlerInnen auszuzeichnen, während eine große Menge von Menschen ungerecht behandelt wird – das reichte Rich nicht. Richs Werk umfasst über 20 Gedichtbände und ein halbes Dutzend Prosabände. Allein von ihren Gedichtbänden wurden 800.000 Exemplare verkauft. (beaha, dieStandard.at, 29.3.2012)

Anti-Homosexuellen-Gesetz in russisches Parlament eingebracht

Das öffentliche Sprechen über Homosexualität soll in Russland nun auch landesweit unter Strafe gestellt werden. Nach dem umstrittenen Verbot in einigen Großstädten brachten PolitikerInnen aus Nowosibirsk eine entsprechende Gesetzesvorlage im Parlament in Moskau ein. Das „Gesetz gegen die Propaganda von Homosexualität“ war zuvor trotz internationaler Proteste unter anderem in der Touristenmetropole St. Petersburg erlassen worden. MenschenrechtlerInnen kritisierten, dass mit dem Gesetz indirekt auch zur Gewalt gegen Homosexuelle aufgerufen werde. Die PolitikerInnen der Regierungspartei Geeintes Russland dagegen begründen die Initiative mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen. Die einflussreiche russisch-orthodoxe Kirche sowie prominente VertreterInnen der von Regierungschef Wladimir Putin geführten Partei hatten eine mögliche landesweite Annahme eines solchen Gesetzes begrüßt. Außenminister Sergej Lawrow vertritt die Meinung, dass Russland unabhängig von europäischen Werten das Recht haben müsse, die Gesellschaft vor Homosexuellen-Propaganda zu schützen. Laut dem Gesetz wird auch die Aufklärung über Homo-, Bi- und Transsexualität mit Geldstrafen geahndet. KritikerInnen warnen, dass zum Beispiel die Aids-Vorsorge erschwert werde. Wer gegen das Gesetz verstößt, muss bis zu 500.000 Rubel (12.800 Euro) Strafe zahlen – mehr als ein durchschnittliches Jahresgehalt. Neben St. Petersburg hatten Städte wie etwa Archangelsk und Rjasan ähnliche Regelungen verabschiedet. Erst 1993 hatte Russland das Verbot der Homosexualität aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. (APA, 29.3.2012)

Pussy Riot – Aktivistinnen müssen mit Haftstrafe rechnen

Nach einer regierungskritischen Performance im Heiligtum der russisch-orthodoxen Kirche wird eine Haftstrafe für drei junge Frauen der feministischen Aktivistinnengruppe „Pussy Riot“ immer wahrscheinlicher. Sie wollten mit der Aktion auf dem Altar der Christ-Erlöser-Kathedrale vor der Präsidentenwahl am 4. März auf die enge Verbindung zwischen Politik und Kirche in Russland aufmerksam machen. In dem „Punk-Gebet“ hatten die mit Strickmützen maskierten Frauen unter anderem gerufen: „Heilige Mutter, gesegnete Jungfrau, vertreibe Putin“. Die Performance war von Sicherheitskräften nach wenigen Minuten beendet worden. Die 22 und 23 Jahre alten Bandmitglieder, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa, hatte die Polizei bereits Anfang März festgenommen, eine dritte Verhaftung folgte. Die Beschwerden der Aktivistinnen gegen die bis Ende April angeordnete Untersuchungshaft wurden abgewiesen. Auf Rowdytum stehen in Russland bis zu sieben Jahre Haft. Die Inhaftierung der Bandmitglieder wurde von OppositionspolitikerInnen und BürgerrechtlerInnen scharf kritisiert. Die Frauen würden mit MörderInnen und Vergewaltigern auf eine Stufe gestellt. Kritische KünstlerInnen werden nach Ansicht von BürgerrechtlerInnen immer wieder politisch verfolgt. Wegen „Aufwiegelung zu religiösem Hass“ wurden etwa 2010 zwei Ausstellungsmacher zu hohen Geldstrafen verurteilt. www.freepussyriot.org/de

Hunderte Afghaninnen wegen „moralischer Verbrechen“ in Haft

In Afghanistan sitzen nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hunderte Frauen wegen sogenannter „moralischer Verbrechen“ im Gefängnis – etwa weil sie wegen häuslicher Gewalt ihren Ehemann verließen oder außereheliche Beziehungen hatten. Die Zustände seien zehn Jahre nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban „schockierend“, erklärte die Organisation in einem in Kabul veröffentlichten Bericht. Demnach sind landesweit rund 400 Frauen und Mädchen wegen „moralischer Verbrechen“ inhaftiert. Einige Frauen und Mädchen seien wegen außerehelicher sexueller Beziehungen verurteilt worden, nachdem sie vergewaltigt oder zur Prostitution gezwungen worden seien, erklärte HRW. Die Frauen würden „häufig auf Grundlage von ‚Geständnissen‘ verurteilt, die in Abwesenheit von Anwälten gemacht und die von Frauen ‚unterschrieben‘ wurden, die weder lesen noch schreiben können und denen das Geständnis nicht vorgelesen wurde“. Sie würden häufig zu langen Gefängnisstrafen verurteilt, „in manchen Fällen mehr als zehn Jahre“. Die Menschenrechtsorganisation wirft in ihrem Bericht auch Präsident Hamid Karsai vor, mit seiner unsteten Politik in Sachen Frauenrechte negative Folgen in Kauf genommen zu haben.

Deutschland ist Champion bei Lohn-Diskriminierung

Im europäischen Vergleich sind die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern nirgendwo so ausgeprägt wie in Deutschland. Eine Frau in einem Ganztagsjob verdient im Schnitt etwa 22 Prozent weniger als ihr männlicher Kollege, hieß es nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Der OECD-Durchschnitt liegt dabei bei einem Minus von etwa 16 Prozent. Auch bei der Anzahl von Frauen in Führungspositionen sieht es nicht besser aus. Kaum vier von hundert Vorstandsposten sind weiblich besetzt, im OECD-Durchschnitt sind es etwa zehn Prozent. Die Daten der Studie stammen aus 2009, dem jüngsten Jahr, das einen umfassenden Vergleich erlaubt. (APA)

Frauen & HIV: Internetportal der DAH

Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) startete kürzlich ein neues Internetportal für Frauen, die sich über HIV und Aids informieren wollen. „Spezielle Informationen für Frauen waren im HIV-Bereich bisher Mangelware. Frauen mussten sie sich mühsam im Internet zusammensuchen. Unsere neue Website sorgt dafür, dass Frauen endlich Antworten auf alle ihre Fragen rund um HIV finden“, erklärt die DAH-Frauenreferentin Marianne Rademacher. (…) Die Rubriken sind jeweils weiter aufgegliedert und enthalten kurze einführende Texte sowie weiterführende Links. Außerdem gibt es aktuelle Meldungen sowie Broschüren und Materialien der DAH zum Download und zum Bestellen. „Auf Frauen bauen!“

Das Projekt „Auf Frauen bauen!“ will Ingenieurinnen darin unterstützen, Führungspositionen zu übernehmen. Es wird realisiert vom FrauenForum Münster e.V. und Frau & Beruf im Kreis Warendorf, Kooperationspartner ist die Ingenieurkammer Bau NRW. „Auf Frauen bauen!“ nutzt eine zweigleisige Strategie: Die Ingenieurinnen gewinnen durch kollegiales Coaching, Workshops und Beratung Unterstützung bei der Berufs- und Karriereplanung. Die Betriebe lernen in Praxis-Seminaren Instrumente der Personal- und Organisationsentwicklung kennen, die ihnen helfen, weibliche Mitarbeiter zu fördern, zu binden und für Führungsaufgaben oder Nachfolge zu qualifizieren. Insgesamt 50 Ingenieurbüros und 30 Ingenieurinnen können an dem Projekt teilnehmen. Die ersten Seminare starten im Mai. Weitere Informationen: www.auf-frauen-bauen.de; www.frauenforum-muenster.de
NRW-Preis Mädchen & Frauen im Sport

Mit diesem Preis wurden die Frauen des interdisziplinär besetzten Arbeitskreises www.rote-karte-koeln.de neben anderen im Sport herausragend engagierten Frauen geehrt. Die Kölnerinnen engagieren sich seit über 10 Jahren für Prävention und Sensibilisierung im Vereinssport und gegen Übergriffe und sexualisierte Gewalt. Unter dem Motto „Respekt vor Grenzen – mehr Spaß am Sport“ hat der Arbeitskreis ein umfangreiches und grundlegendes Präventionskonzept für den Breitensport entwickelt.
„Geschlechtergerechte Hochschulen“

Der letzte Bericht der Europäischen Kommission zur Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft aus dem Jahr 2009 führt Deutschland in der Schlussgruppe auf, hinter Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich. Hier besteht also dringender Handlungsbedarf. Die Verankerung der Geschlechtergerechtigkeit in Forschung und Hochschule ist zudem zwingend notwendig, um zukünftig in ausreichendem Maß an Mitteln aus dem europäischen Forschungsrahmenprogramm partizipieren zu können. Das neu aufgelegte Landesprogramm mit 5,4 Millionen Euro pro Jahr (bis 2014) besteht aus drei Bausteinen: 1. der Stärkung der Gleichstellungsbeauftragten, 2. der Nachwuchsförderung und 3. der Genderforschung. In das „Landesprogramm für geschlechtergerechte Hochschulen“ sind Handlungsempfehlungen aus dem Gender-Kongress 2011 eingeflossen. www.wissenschaft.nrw.de
45 Jahre arbeiten für 140 Euro Rente

7,4 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Stelle auf 400-Euro-Basis, für die sie keine Steuern und Sozialabgaben zahlen. Davon waren Mitte 2011 knapp 4,65 Millionen Frauen. Gut zwei Drittel von ihnen haben ausschließlich diesen Minijob. Für die Altersabsicherung dieser Menschen hat das enorme Konsequenzen, da nur geringe Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung anfallen. Das Bundesarbeitsministerium hat nun ausgerechnet, was dies an Rente bringt. Danach erwirbt ein Minijobber, der ein Jahr lang tätig ist, eine monatliche Rente von 3,11 Euro. Nach 45 Versicherungsjahren beträgt der Anspruch auf Altersgeld auf Grundlage der heutigen Werte nur 139,95 Euro. Diese schockierenden Zahlen veröffentlichte die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken. Auch die geplante künftige Zuschussrente verspricht keine Entwarnung. Die Kritik an der geringfügigen Beschäftigung hatte sich zuletzt deutlich verstärkt. Der DGB fordert eine Reform, zumal sich die Minijobs nicht als Brücke zu einem regulären Vollzeitjob entwickelt haben. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hatte eine Studie vorgelegt, wonach Minijobs zu einer Verfestigung des Niedriglohnbereichs beitrügen. MinijobberInnen verdienen demnach pro Stunde nur halb soviel wie regulär Beschäftigte. Eine Sachverständigen-Kommission sprach sich im „Ersten Gleichstellungsbericht“ der Bundesregierung dafür aus, die Sonderstellung der Minijobs abzuschaffen. Dies lehnt die Bundesregierung ab. Die Koalition will die Verdienstgrenze sogar von 400 auf 450 Euro erhöhen. (Süddeutsche, Hans-Böckler-Stiftung)
„Ich schreibe als Frau, als Lesbe und als Feministin“

Adrienne Rich war jahrzehntelang eine der einflussreichsten Stimmen der US-amerikanischen Frauenbewegung. Über 60 Jahre lang schrieb sie über das Leben von Frauen in der modernen Gesellschaft. Viele dieser Facetten erlebte Rich am eigenen Leib, als Ehefrau, als dreifache Mutter und später auch als homosexuelle Frau. Mit 82 Jahren verstarb sie im März in Santa Cruz, Kalifornien. Bereits mit ihrem ersten Gedichtband gewann sie 1951 die angesehene „Yale Series of Younger Poets Competition. 1963 erschien „Snapshots of a Daughter-in-Law“, in dem Rich das zermürbende Leben einer traditionellen Ehe beschreibt. Mit dem 1973 erschienenen „Diving into the Wreck“ gewann Rich den „National Book Award“, drei Jahre später folgte „Of Woman Born: Motherhood as Experience and Institution“, worin sie erstmals auch aus der Perspektive einer lesbischen Frau schrieb. „Ich schreibe als Frau, als Lesbe und als Feministin“, meinte Rich 1981 gegen-über der Washington Post. In dem 1976 erschienenen „Twenty-One Love Poems“ thematisierte Rich explizit die Liebe zwischen zwei Frauen. Rich beschäftigte sich mehr und mehr mit ihren jüdischen Wurzeln, thematisierte die Shoa oder auch den Kampf afro-amerikanischer Frauen. Rich bekam zahlreiche Stipendien, Preise und Ehrungen. 1992 verzichtete sie auf die höchste Auszeichnung der Vereinigten Staaten für KünstlerInnen, die „National Medal of Arts“. Sie lehnte die Ehrung mit der Begründung ab, die Regierung fördere ökonomische Ungerechtigkeit und Rassismus. Ein paar KünstlerInnen auszuzeichnen, während eine große Menge von Menschen ungerecht behandelt wird – das reichte Rich nicht. Richs Werk umfasst über 20 Gedichtbände und ein halbes Dutzend Prosabände. Allein von ihren Gedichtbänden wurden 800.000 Exemplare verkauft. (beaha, dieStandard.at, 29.3.2012)
Anti-Homosexuellen-Gesetz in russisches Parlament eingebracht

Das öffentliche Sprechen über Homosexualität soll in Russland nun auch landesweit unter Strafe gestellt werden. Nach dem umstrittenen Verbot in einigen Großstädten brachten PolitikerInnen aus Nowosibirsk eine entsprechende Gesetzesvorlage im Parlament in Moskau ein. Das „Gesetz gegen die Propaganda von Homosexualität“ war zuvor trotz internationaler Proteste unter anderem in der Touristenmetropole St. Petersburg erlassen worden. MenschenrechtlerInnen kritisierten, dass mit dem Gesetz indirekt auch zur Gewalt gegen Homosexuelle aufgerufen werde. Die PolitikerInnen der Regierungspartei Geeintes Russland dagegen begründen die Initiative mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen. Die einflussreiche russisch-orthodoxe Kirche sowie prominente VertreterInnen der von Regierungschef Wladimir Putin geführten Partei hatten eine mögliche landesweite Annahme eines solchen Gesetzes begrüßt. Außenminister Sergej Lawrow vertritt die Meinung, dass Russland unabhängig von europäischen Werten das Recht haben müsse, die Gesellschaft vor Homosexuellen-Propaganda zu schützen. Laut dem Gesetz wird auch die Aufklärung über Homo-, Bi- und Transsexualität mit Geldstrafen geahndet. KritikerInnen warnen, dass zum Beispiel die Aids-Vorsorge erschwert werde. Wer gegen das Gesetz verstößt, muss bis zu 500.000 Rubel (12.800 Euro) Strafe zahlen – mehr als ein durchschnittliches Jahresgehalt. Neben St. Petersburg hatten Städte wie etwa Archangelsk und Rjasan ähnliche Regelungen verabschiedet. Erst 1993 hatte Russland das Verbot der Homosexualität aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. (APA, 29.3.2012)
Pussy Riot – Aktivistinnen müssen mit Haftstrafe rechnen

Nach einer regierungskritischen Performance im Heiligtum der russisch-orthodoxen Kirche wird eine Haftstrafe für drei junge Frauen der feministischen Aktivistinnengruppe „Pussy Riot“ immer wahrscheinlicher. Sie wollten mit der Aktion auf dem Altar der Christ-Erlöser-Kathedrale vor der Präsidentenwahl am 4. März auf die enge Verbindung zwischen Politik und Kirche in Russland aufmerksam machen. In dem „Punk-Gebet“ hatten die mit Strickmützen maskierten Frauen unter anderem gerufen: „Heilige Mutter, gesegnete Jungfrau, vertreibe Putin“. Die Performance war von Sicherheitskräften nach wenigen Minuten beendet worden. Die 22 und 23 Jahre alten Bandmitglieder, Maria Alechina und Nadeschda Tolokonnikowa, hatte die Polizei bereits Anfang März festgenommen, eine dritte Verhaftung folgte. Die Beschwerden der Aktivistinnen gegen die bis Ende April angeordnete Untersuchungshaft wurden abgewiesen. Auf Rowdytum stehen in Russland bis zu sieben Jahre Haft. Die Inhaftierung der Bandmitglieder wurde von OppositionspolitikerInnen und BürgerrechtlerInnen scharf kritisiert. Die Frauen würden mit MörderInnen und Vergewaltigern auf eine Stufe gestellt. Kritische KünstlerInnen werden nach Ansicht von BürgerrechtlerInnen immer wieder politisch verfolgt. Wegen „Aufwiegelung zu religiösem Hass“ wurden etwa 2010 zwei Ausstellungsmacher zu hohen Geldstrafen verurteilt. www.freepussyriot.org/de
Hunderte Afghaninnen wegen „moralischer Verbrechen“ in Haft

In Afghanistan sitzen nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hunderte Frauen wegen sogenannter „moralischer Verbrechen“ im Gefängnis – etwa weil sie wegen häuslicher Gewalt ihren Ehemann verließen oder außereheliche Beziehungen hatten. Die Zustände seien zehn Jahre nach dem Sturz der radikalislamischen Taliban „schockierend“, erklärte die Organisation in einem in Kabul veröffentlichten Bericht. Demnach sind landesweit rund 400 Frauen und Mädchen wegen „moralischer Verbrechen“ inhaftiert. Einige Frauen und Mädchen seien wegen außerehelicher sexueller Beziehungen verurteilt worden, nachdem sie vergewaltigt oder zur Prostitution gezwungen worden seien, erklärte HRW. Die Frauen würden „häufig auf Grundlage von ‚Geständnissen‘ verurteilt, die in Abwesenheit von Anwälten gemacht und die von Frauen ‚unterschrieben‘ wurden, die weder lesen noch schreiben können und denen das Geständnis nicht vorgelesen wurde“. Sie würden häufig zu langen Gefängnisstrafen verurteilt, „in manchen Fällen mehr als zehn Jahre“. Die Menschenrechtsorganisation wirft in ihrem Bericht auch Präsident Hamid Karsai vor, mit seiner unsteten Politik in Sachen Frauenrechte negative Folgen in Kauf genommen zu haben.
Deutschland ist Champion bei Lohn-Diskriminierung

Im europäischen Vergleich sind die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern nirgendwo so ausgeprägt wie in Deutschland. Eine Frau in einem Ganztagsjob verdient im Schnitt etwa 22 Prozent weniger als ihr männlicher Kollege, hieß es nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Der OECD-Durchschnitt liegt dabei bei einem Minus von etwa 16 Prozent. Auch bei der Anzahl von Frauen in Führungspositionen sieht es nicht besser aus. Kaum vier von hundert Vorstandsposten sind weiblich besetzt, im OECD-Durchschnitt sind es etwa zehn Prozent. Die Daten der Studie stammen aus 2009, dem jüngsten Jahr, das einen umfassenden Vergleich erlaubt. (APA)
Frauen & HIV: Internetportal der DAH

Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) startete kürzlich ein neues Internetportal für Frauen, die sich über HIV und Aids informieren wollen. „Spezielle Informationen für Frauen waren im HIV-Bereich bisher Mangelware. Frauen mussten sie sich mühsam im Internet zusammensuchen. Unsere neue Website sorgt dafür, dass Frauen endlich Antworten auf alle ihre Fragen rund um HIV finden“, erklärt die DAH-Frauenreferentin Marianne Rademacher. (…) Die Rubriken sind jeweils weiter aufgegliedert und enthalten kurze einführende Texte sowie weiterführende Links. Außerdem gibt es aktuelle Meldungen sowie Broschüren und Materialien der DAH zum Download und zum Bestellen. www.frauenundhiv.info
Musikschaffende Frauen

Wer in die Konzertsäle dieser Welt hineinlauscht, muss schon genauer hinhören, um Musik aus Frauenhand wahrzunehmen. Werke von Komponisten füllen die Kulturkalender. Bei den 76 Konzerten der weltbekannten BBC-Promenadenkonzerte 2010 etwa waren nur sieben Komponistinnen vertreten, im Programm staatlich geförderter Institutionen wird laut französischem Kulturministerium gar nur ein Prozent von Frauen geschriebene Musik gespielt. Der Frauenanteil in Orchestern weltweit ist noch immer gering. Aber auch Lohnschere und gläserne Decke sind musikschaffenden Frauen wohlbekannt: 90 Prozent aller Künstlerinnen verdienen laut Italienischer Gleichbehandlungskommission weniger als 20.000 Euro pro Jahr, 89 Prozent aller öffentlichen Kunst- und Kulturorganisationen werden von Männern geleitet. Ein neues EU-Projekt will die Situation nun ändern: Mit WIMUST – Women in Music Uniting Strategies for Talent versucht die Europäische Kommission, das Engagement von Musikorganisationen für Komponistinnen und musikschaffende Frauen in den 22 Projektländern zu fördern, Frauen einen besseren Zugang zu den darstellenden Künsten zu ermöglichen und ihren Anteil am Kulturbetrieb zu erhöhen. Musik- und Kulturorganisationen aus 17 Ländern nehmen derzeit aktiv an dem Programm teil. Um herauszufinden, was die Mechanismen für die Benachteiligungen musikschaffender Frauen sind, setzen sich die WIMUST-VertreterInnen jährlich zusammen, um gemeinsam Strategien zur Durchsetzung der Gleichberechtigung zu finden. Eine europäische Datenbank mit Komponistinnen und Musikerinnen sowie ein Europäisches Jahrbuch für Komponistinnen und musikschaffende Frauen sind geplant, ebenso diverse überstaatliche Aktionen und Events, um die Mobilität, das Können und die Bekanntheit von Frauen in der Musikbranche zu stärken. (isa, dieStandard.at) www.donneinmusica.org
Auszeichnung für Professorin Jutta Allmendinger

Die Berlinerin Jutta Allmendinger erhielt den mit 20.000 Euro dotierten Soroptimist International Deutschland Förderpreis 2012. Die Auszeichnung geht an Personen oder Organisationen, die sich um die berufliche Stellung von Frauen in der Gesellschaft verdient gemacht haben. Soroptimist International ist mit rund 90.000 Mitgliedern in 124 Ländern die weltweit größte internationale Organisation berufstätiger Frauen. Jutta Allmendinger ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin. „Seit Jahrzehnten kämpft sie für die Gleichstellung der Geschlechter, für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für die flächendeckende Schaffung von Kindertagesstätten und Kinderkrippen, für flexible Arbeitszeiten, für gleiches Gehalt bei gleicher Qualifikation und für mehr Frauen in Führungspositionen“, betonte Roswitha Briel, Präsidentin von Soroptimist International Deutschland. Mit dem Preisgeld möchte Allmendinger ihr Projekt „Berliner Runde“ verwirklichen: Im Acht-Wochen-Turnus werden Spitzenkräfte aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur und Zivilgesellschaft ans WZB eingeladen, um sich darüber auszutauschen, wie und mit welchen Mitteln in Berlin Frauen für Führungspositionen gewonnen werden können. (www.frauennrw.de)

Zusammengestellt von Marion Gaidusch href=“http://www.frauenundhiv.info“>www.frauenundhiv.info

Musikschaffende Frauen

Wer in die Konzertsäle dieser Welt hineinlauscht, muss schon genauer hinhören, um Musik aus Frauenhand wahrzunehmen. Werke von Komponisten füllen die Kulturkalender. Bei den 76 Konzerten der weltbekannten BBC-Promenadenkonzerte 2010 etwa waren nur sieben Komponistinnen vertreten, im Programm staatlich geförderter Institutionen wird laut französischem Kulturministerium gar nur ein Prozent von Frauen geschriebene Musik gespielt. Der Frauenanteil in Orchestern weltweit ist noch immer gering. Aber auch Lohnschere und gläserne Decke sind musikschaffenden Frauen wohlbekannt: 90 Prozent aller Künstlerinnen verdienen laut Italienischer Gleichbehandlungskommission weniger als 20.000 Euro pro Jahr, 89 Prozent aller öffentlichen Kunst- und Kulturorganisationen werden von Männern geleitet. Ein neues EU-Projekt will die Situation nun ändern: Mit WIMUST – Women in Music Uniting Strategies for Talent versucht die Europäische Kommission, das Engagement von Musikorganisationen für Komponistinnen und musikschaffende Frauen in den 22 Projektländern zu fördern, Frauen einen besseren Zugang zu den darstellenden Künsten zu ermöglichen und ihren Anteil am Kulturbetrieb zu erhöhen. Musik- und Kulturorganisationen aus 17 Ländern nehmen derzeit aktiv an dem Programm teil. Um herauszufinden, was die Mechanismen für die Benachteiligungen musikschaffender Frauen sind, setzen sich die WIMUST-VertreterInnen jährlich zusammen, um gemeinsam Strategien zur Durchsetzung der Gleichberechtigung zu finden. Eine europäische Datenbank mit Komponistinnen und Musikerinnen sowie ein Europäisches Jahrbuch für Komponistinnen und musikschaffende Frauen sind geplant, ebenso diverse überstaatliche Aktionen und Events, um die Mobilität, das Können und die Bekanntheit von Frauen in der Musikbranche zu stärken. (isa, dieStandard.at) www.donneinmusica.org

Auszeichnung für Professorin Jutta Allmendinger

Die Berlinerin Jutta Allmendinger erhielt den mit 20.000 Euro dotierten Soroptimist International Deutschland Förderpreis 2012. Die Auszeichnung geht an Personen oder Organisationen, die sich um die berufliche Stellung von Frauen in der Gesellschaft verdient gemacht haben. Soroptimist International ist mit rund 90.000 Mitgliedern in 124 Ländern die weltweit größte internationale Organisation berufstätiger Frauen. Jutta Allmendinger ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin. „Seit Jahrzehnten kämpft sie für die Gleichstellung der Geschlechter, für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für die flächendeckende Schaffung von Kindertagesstätten und Kinderkrippen, für flexible Arbeitszeiten, für gleiches Gehalt bei gleicher Qualifikation und für mehr Frauen in Führungspositionen“, betonte Roswitha Briel, Präsidentin von Soroptimist International Deutschland. Mit dem Preisgeld möchte Allmendinger ihr Projekt „Berliner Runde“ verwirklichen: Im Acht-Wochen-Turnus werden Spitzenkräfte aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur und Zivilgesellschaft ans WZB eingeladen, um sich darüber auszutauschen, wie und mit welchen Mitteln in Berlin Frauen für Führungspositionen gewonnen werden können. (www.frauennrw.de)

Zusammengestellt von Marion Gaidusch