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Frühjahr 1/2020

Die Feministische Einzelkämpferinnen Gruppe

Wider das Sterben feministischer Strukturen

Eine 3. Welle des Feminismus ist in aller Munde, Frauen diskutieren die Fortführung der bzw. Neuen Frauenbewegung oder den „Neustart“ einer 3. Frauenbewegung. Dem entgegen stehen die Existenzprobleme feministischer Strukturen: Frauencafés, Frauenzentren, Frauenbibliotheken, Frauenbüros usw. stehen vielfach vor dem Aus oder haben bereits die Pforten geschlossen.

Egal wie ein Erstarken der Präsenz einer Frauenbewegung aussehen soll, ohne Infrastruktur ist „kein Staat zu machen“. Auch wenn das Hauptaugenmerk auf dem Erhalt bestehender Strukturen liegen sollte, gilt es bereits jetzt, in Städten und Gemeinden ohne feministische Räume Infrastruktur zu schaffen bzw. diese in irgendeiner Form zu erhalten.

FEG Mainz

So hat in Mainz mit Beginn des Jahres 2009 das Pilotprojekt zur „Feministischen Einzelkämpferinnen Gruppe“, kurz „FEG“, begonnen. Ziel ist Vernetzung, Austausch und Ausbildung von Feministinnen und solchen, die es werden wollen. Alle zwei Wochen treffen sich 3 bis 12 Frauen zwischen 21 und 70 Jahren, die sich nicht nur über ihren feministischen Alltag austauschen, sondern sich auch zu einem jeweils vorher bestimmten und vorbereiteten Thema fortbilden und diskutieren. Anwesenheitspflicht gibt es nicht: Einige kommen fast immer, einige regelmäßig und einige nur ab und zu.

Die FEG hat aus der Geschichte der Frauenbewegungen gelernt und wendet das Wissen an. So definieren wir uns, wie der Name vermuten lässt, als heterogene Gruppe. Wir lassen uns nicht spalten und spalten uns nicht selbst! Jede ist willkommen, egal ob sie sich einer feministischen Schule zuordnet, dies generell verweigert oder noch der Überblick fehlt. Unterschiedliche Positionen werden nicht als störend wahrgenommen, sondern gehören zum Programm.

Warum Pilotprojekt? Die Frau dahinter …

Als ich das Konzept der FEG Mainz entwickelte, hatte ich vor allem drei Dinge vor Augen:

1. Parallelwelten

An verschiedenen Frauenorten traf ich zumeist auf homogene feministische Gruppen. Das extremste Beispiel war eine Veranstaltung mit 60 Teilnehmerinnen, auf der einhellig die Meinung bestand: Es gibt gar keine Gleichheitsfeministinnen.

Anscheinend besteht teilweise nicht mal das Wissen um die Existenz anderer homogener Gruppen.

Weiterhin habe und hatte ich große Probleme, heterosexuelle Feministinnen zu finden. Ich weiß jedoch aus Berichten: Es gibt auch dominant heterosexuelle feministische Zusammenhänge.

2. „Endlich kann ich mal erzählen …“

Ab und zu komme ich mit Frauen zufällig ins Gespräch. Wird an irgendeinem Punkt klar, dass ich Feministin bin und die andere ist es zufällig auch, entwickelt sich das Gespräch häufig zu einem freudigen Abladen von feministischen Alltagssorgen und -unglaublichkeiten. Anscheinend fehlt ansonsten für solchen Austausch der Raum.

3. Netzwerke und Kontakt vereinfachen

Es ist extrem anstrengend, andere feministische Zusammenhänge zu finden, zu besuchen und dann auch noch ins Gespräch zu kommen. Es reicht nicht, Feministin zu sein, frau soll auch die „richtige Feministin“ sein. Die Grundfrage war also: Lässt sich das Netzwerken vereinfachen?

Diese drei Aspekte sind die Grundlage für das Konzept der FEG. Das erfolgreiche Pilotprojekt FEG Mainz empfehlen wir also gerne weiter und hoffen auf weitere FEGs in anderen Orten. Zur Unterstützung von Neugründungen arbeiten wir an einem virtuellen feministischen Zentrum, das unter www.feministisches-zentrum.de entsteht. Hier wird es nicht nur viele Möglichkeiten des virtuellen Austauschs, sondern auch Informationen über feministische Projekte an verschiedenen Orten geben. Hinzu kommen Textbeispiele für FEG-Treffen, um die inhaltliche Vorbereitung zu erleichtern. Bereits jetzt findet sich dort das Konzept der FEG.

Also: „Frauen kommt her – wir finden uns zusammen […] gemeinsam sind wir stark“. >> Flying Lesbians<<

Stephanie Mayfield