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Herbst 3/2020

Aufruf zur Erinnerung an den Frauenstreik 1994

Liebe Frauen, liebe Freunde und Freundinnen,

Frauen sagen Nein!, war ein Aufruf überschrieben, der anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 1994 die Initialzündung für die erste Frauenstreikaktion gab, die von ost- und westdeutschen Frauen gemeinsam getragen wurde. Die langen Auseinandersetzungen um den § 218, die fortgesetzte Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und die Tatsache, dass nach der Wende auch in der neuen gesamtdeutschen Verfassung Frauenbelange und -rechte viel zu wenig Berücksichtigung fanden, waren für viele Frauen damals der Anlass zu sagen, Schluss! Uns reicht’s!

Heute, nach fast 20 Jahren, ist festzustellen, dass sich auf der frauenpolitischen Bühne zwar einiges getan hat:

Neuerdings sind Frauenbelange in den Medien wieder ein Thema:

In vielen Arbeitsbereichen ist eine neue Quoten-Debatte aufgebrochen, junge Frauen sprechen in der Öffentlichkeit wieder über männliche Belästigung und Gewalt. Doch gerade die neuen Debatten zeigen auch, dass die Ziele von damals mitnichten erreicht wurden. Frauen sind nach wie vor bedroht von Prekarisierung und Armut. Sie müssen sich nach wie vor in Frauenhäuser flüchten. Sie übernehmen nach wie vor das Gros der Haus- und Erziehungsarbeit.

Wir sind der Meinung, dass am 8. März 2014 zumindest symbolisch an den Frauenstreik vor 20 Jahren erinnert werden sollte in Form einer Bilanz: Was haben wir damals gewollt? Wo stehen wir? Welche Perspektiven gibt es?

Wir, das ist eine kleine, mehrere Generationen umfassende Gruppe von Frauen in Berlin. Wir wollen einen Anstoß geben, das Jubiläum nicht nur zu erinnern, sondern auch zu nutzen zu einer Standortbestimmung. Wir werden viele der damaligen Erstunterzeichnerinnen mit dieser Mail anschreiben. Wir wenden uns aber auch an Euch/Sie als MultiplikatorInnen, unabhängig davon, ob Ihr/Sie die Streikaktionen damals schon unterstützt habt/haben.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Unsere Gruppe will keinen neuen Frauenstreiktag vom Zaun brechen. Aber wir wollen mit dieser Mail einen Anstoß geben, Euch zu ermutigen, in den jeweiligen Arbeits-, Gremien- und Privatzusammenhängen darüber nachzudenken, welche Kampagnen oder Aktionen am 8. März 2014 die Erinnerung an den 8. März 1994 aufleben lassen könnten mit dem Ziel, das damals Uneingelöste zur Sprache zu bringen.

Bitte den Brief auch an andere Frauen/Multiplikatorinnen weitergeben. Wir sind nur eine kleine Gruppe und konnten nicht mehr alle Adressen ausfindig machen, wenn jemand nicht angeschrieben wurde, ist das dieser Tatsache geschuldet.

Herzliche Grüße
Gisela Notz, 14. Juli 2013
(1994 Mitfrau des Streikkomitee Köln/Bonn)
E-Mail: 8Maerz2014@gmx.de
Dr. Gisela Notz
Erkelenzdamm 51
10999 Berlin