Logo
Frühjahr 1/2020

50 Jahre kubanische Revolution

Kubanischer Frauenalltag und Träume

Dieser Jahreswechsel wird in Kuba ganz besonders gefeiert werden! Vor 50 Jahren, am 1. Januar 1959, siegte die kubanische Revolution. Die berühmten Revolutionäre trugen nicht nur Bärte, es gab unter ihnen auch Frauen. Eine der bekanntesten war Vilma Espin Guillois de Castro (1930–2007), die später Mitglied des Staatsrates und Präsidentin des 1960 gegründeten Kubanischen Frauenverbandes (FMC) wurde.

Auf unserer EcoMujer-Projektreise vom 29. September bis 11. Oktober 2008, wenige Wochen, nachdem die immensen Schäden von drei Hurrikans in Kuba noch sichtbare und spürbare Schäden hinterlassen hatten, haben wir mit einigen Frauen gesprochen und sie gefragt, welche Bedeutung für sie 50 Jahre kubanische Revolution haben. Wir wollten von ihnen aber nicht nur wissen, wie die Situation vor der Revolution war und was die Frauen durch die Revolution errungen haben, sondern auch, was ihre Probleme gegenwärtig sind, ihre Träume und was sie sich für die Zukunft wünschen.

Adriana Ruiz Otero, 34 Jahre, verantwortlich für die Wasserver- und entsorgung von Pinar del Rio, Provinzhauptstadt im Westen Kubas, eine Tochter

Vor der Revolution hatten die Frauen keine Rechte, die meisten waren Hausfrauen. Das Wichtigste ist, dass die Revolution den Frauen Würde und Respekt gebracht hat und den Zugang zu allen Berufen.

Gegenwärtig ist für mich das Schwierigste, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Durch meine neue verantwortliche Aufgabe lebe ich 100 km von zu Hause entfernt, meine 6-jährige Tochter wird während der Woche von meinen Eltern betreut. In meiner Leitungstätigkeit arbeite ich oft mehr als acht Stunden, manchmal auch nachts, und auf Grund der Transportprobleme kann ich nur am Wochenende nach Hause fahren. Es fällt mir immer noch schwer, während der Woche nur mit meiner Tochter telefonieren zu können, vor allem, wenn sie krank ist. Auch am Wochenende werde ich noch häufig zu Hause beruflich angerufen. Meine Tochter möchte dann am liebsten manchmal das Telefonkabel durchschneiden. Die Arbeit ist mir sehr wichtig, ich möchte sie gut machen und mich weiterentwickeln. Ich habe die Stelle vor anderthalb Jahren übernommen, weil mein Vorgänger schlecht gearbeitet hat. Viele kubanische Männer haben Probleme, wenn Frauen sich in ihrem Beruf voll engagieren, sie wollen von den Frauen zu Hause umsorgt werden. Mein Ex-Mann hat aber meine Arbeit akzeptiert, es gab andere Gründe für die Trennung.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich diese Arbeit fortsetzen und die Ansprüche, die an mich gestellt werden, erfüllen kann. Ich wünsche mir neue und spannende Begegnungen, wie zum Beispiel mit euch, den Frauen von EcoMujer, und ich möchte neue Städte und andere Länder bereisen und kennen lernen.

Carmen Sonia Clarke Columbié, 41 Jahre, Ärztin für Allgemeinmedizin, ledig

Die Situation vor der Revolution war für die Frauen sehr schwierig. Die Mehrheit der Frauen waren Analphabetinnen. Nur sehr wenige hatten Beschäftigung, die meisten haben in Haushalten der Reichen als Dienstmädchen gearbeitet. Es herrschte Diskriminierung durch die Männer und durch die Gesellschaft.

Nach der Revolution gewannen die Frauen ihren Platz in der Gesellschaft, sie begannen zu studieren und in vielen Bereichen zu arbeiten. Es war Schluss mit der Diskriminierung. Heute sind von der arbeitenden kubanischen Bevölkerung mehr als 50 % Frauen. Sie sind in allen Bereichen und auch in Führungspositionen vertreten.

In der Ökonomie sehe ich aktuell das größte Problem, natürlich muss man das als Folge der Blockade durch die USA sehen. Die Frauen sind davon sehr betroffen. Durch die Hurrikans hat sich akut die Versorgungslage noch einmal verschlechtert. Die Mehrheit der landwirtschaftlichen Produkte wurde verwüstet. Und die Einkommen sind zu niedrig. Eine schnelle Vereinheitlichung der beiden existierenden Währungen wäre nötig, damit die ökonomischen Probleme gelöst werden können.

Persönlich wünsche ich mir, beruflich weiterzukommen als Ärztin, ich möchte auch in anderen Ländern arbeiten, z. B. in Ländern Lateinamerikas, in China oder auch in Afrika. Dort möchte ich mein Wissen weitergeben, meine Dienste anbieten und dazulernen. Ich habe schon einen Arbeitsauftrag in Venezuela erfüllt. Aktuell bilde ich angehende ÄrztInnen aus Bolivien aus.

Miriam Barragán Sanches, 56 Jahre, Baugerätetechnikerin, geschieden, zwei Töchter, ein Sohn, vier Enkelkinder

Vor der Revolution gab es keine Gleichheit zwischen Männern und Frauen. Es gab Ausbeutung, es herrschte keinerlei soziale Gleichheit. Frauen arbeiteten oft als Dienstmädchen für wenig Geld.

Mit der Revolution errangen die Frauen die Gleichheit. Sie bekamen die Möglichkeit zu studieren und Chefin zu sein, in allen Bereichen. Männern und Frauen standen alle Wege offen.

Heute fehlt es oft an Motivation im Sozia-lismus. Es mangelt an vielen Kleinigkeiten, um sich gut zu fühlen, man möchte die gleichen Rechte wie die Touristen haben. Der Transport hat sich dank der Hilfe des Auslandes schon verbessert. Es mangelt halt oft an Kleinigkeiten, die das tägliche Leben erleichtern könnten. Ich muss z. B., um zur Arbeit zu kommen, zwei Stunden vorher aus dem Haus gehen. Das monatliche Einkommen ist leider auch sehr niedrig.

Persönlich wünsche ich mir ein gutes Fahrrad, damit ich besser zur Arbeit kommen kann. Ich würde gerne meine Tochter in Frankreich besuchen, und zwar ohne diese bürokratischen Hindernisse und Probleme. Und ich hätte gerne einen Computer, um besser kommunizieren zu können.

Maite Vera, 78 Jahre, Schriftstellerin, sie schreibt Theaterstücke und fürs Fernsehen (Telenovelas), sie lebt allein, ein Sohn, mehrere Enkel und Urenkel

Die kubanischen Frauen waren immer Kämpferinnen, auch vor der Revolution. Sie arbeiteten als Lehrerinnen, Büroangestellte und als Angestellte in Geschäften, in den beiden zuletzt genannten Bereichen aber nur, wenn sie weiß waren. Es gab nicht viele Berufe, zu denen Frauen Zugang hatten, aber die Frauen waren immer beteiligt, in allen politischen und sozialen Kämpfen.

Die wichtigsten Errungenschaften für die Frauen nach der Revolution sind für mich die folgenden: die Entscheidung über die Mutterschaft und das Recht auf Abtreibung, was sich dann weiterentwickelte im Kampf für Verhütungsmittel. Das fortschrittliche Bewusstsein darüber, die gleichen Rechte und den gleichen Zugang zum Studium und zur Arbeit zu haben und die gleichen Gehälter wie Männer zu erhalten. Die Schaffung von Kindergärten und die positiven Veränderungen und Rechte, die berufstätige Frauen durch die Gesetze zum Mutterschutz erhalten haben. Die Achtung, die Frauen im Alter erfahren.

Gegenwärtig bewegt Frauen am meisten ihre Weiterentwicklung als soziale Wesen und die Erziehung der Kinder und Jugendlichen. Eine lebenswichtige Frage ist auch der Kampf für den Erhalt der Umwelt.

Und für die Zukunft? Da wünschen wir uns Frieden, weltweit! Und mehr Gerechtigkeit für Frauen! Und dass mit unserem Planeten sorgsam umgegangen wird! Für unser Land wünschen wir uns eine bessere wirtschaftliche Entwicklung!

Persönlich wünsche ich mir Gesundheit, dass ich weiterarbeiten kann, außerdem Ruhe in der Familie und dass ich weniger egoistisch bin. Soweit es meine Kräfte zulassen, möchte ich mich um die Natur, die mich umgibt, kümmern.

Die Gespräche mit den Frauen haben Astrid Schmied und Monika Schierenberg geführt