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Frühjahr 1/2019

30.9.1929–27.4.2003: Dorothee Sölle

„Es ist Quatsch, dass Gott alles weiß.“

Sie mischte sich ihr ganzes Leben lang ein: als Theologin, Schriftstellerin, Feministin, Christin, Pazifistin und Ökologin. Und verstand Feminismus als Widerstand gegen die Kultur des Gehorsams, ein Weg für Frauen und Männer. Den sie ab 1969 mit ihrem zweiten Mann zusammen ging (und mit ihm ihr 4. Kind bekam), nach einer zehnjährigen ersten Ehe, aus der 3 Kinder stammen. „Der Fluch ist das Töten, nicht das Sterben“, sagte sie einen Tag vor ihrem Tod und verwies damit ein weiteres Mal auf das notwendige Nein-Sagen zu Krieg und Gewalt und die Bedeutung des zivilen Ungehorsams.

Bekannt wurde Dorothee Sölle mit den von ihr mitbegründeten ‚Politischen Nachtgebeten‘ in Köln. Diese ökumenischen Treffen fanden von 1968 bis 1972 statt und verbanden aktuelle Themen mit Aktionen oder Meditation. Zu dieser Zeit war sie bereits habilitiert (1971), nach einem Studium der Theologie, Philosophie und Literaturwissenschaft hatte sie als Lehrerin gearbeitet, eine Professur in Deutschland wurde der streitbaren und engagierten Theologin verwehrt. Zu radikal waren ihre Ansichten, zu radikal ihre Biografie, zu radikal ihre politischen Aktionen, wenn sie z. B. gegen Atomraketen demonstrierte.

Doch eine hochschulpolitische Karriere war nicht ihr Ziel. Sie lebte nach der Überzeugung: „Gott hat keine anderen Hände als unsere.“ Ihr religiöses Denken bezog sich auf das Diesseits, auf praktisches Tun und Helfen – Einfluss der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Auch die feministische Bewegung hat ihr vieles zu verdanken, da sie unentwegt feministische Themen in die kirchliche Diskussion einbrachte, sei es auf Kirchentagen, in Gemeinden, in Workshops. Nicht zuletzt ihre Mystik – Dorothee Sölle veröffentlichte mehrere Gedichtbände und erhielt dafür 1982 den Droste-Preis der Stadt Meersburg – ist von feministischen Ideen geprägt. Der internationale

Austausch führte sie auch in die USA, wo sie von 1975 bis 1987 in New York am Union Theological Seminary als Professorin lehrte.

Dorothee Sölle zählt heute zu den bekanntesten Theologinnen in Europa, ihr Werk ist vielfältig, ihre Biografie „Gegenwind“ gibt Einblick in das Leben dieser äußerst politisch und pragmatisch, sozial gerecht denkenden und danach lebenden Frau. Dorothee Sölle wäre Ende September 80 Jahre alt geworden.

www.dorothee-soelle.de

mv