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Sommer 2/2020

1. Deutscher Equal Pay Day

Business and Professional Women Germany kündigen nationalen Aktionstag für mehr Lohngerechtigkeit an

Am 15. April 2008 wird es erstmals in Deutschland einen nationalen Aktionstag für mehr Lohngerechtigkeit geben. Hierzu erklärte Dr. Bettina Schleicher, Präsidentin der Business and Professional Women (BPW) German: „An diesem ersten deutschen Equal Pay Day wird der BPW Germany zusammen mit einem starken Aktionsbündnis auf die ungleichen Einkommensverhältnisse von Männern und Frauen hierzulande aufmerksam machen.“ Die Gehaltskluft ist in Deutschland mit 22 Prozent deutlich größer als im EU-Durchschnitt (15 Prozent). „Wir wollen dazu beitragen, dass sich diese Schere schließt“, unterstrich die Leiterin des Projekts im BPW Germany, Isinay Kemmler. Das deutsche Netzwerk habe daher eine Idee des BPW/USA aufgegriffen und zur Halbzeit des Europäischen Jahres der Chancengleichheit im Juli die Initiative Rote Tasche ins Leben gerufen, um auf die „roten Zahlen“ in den Taschen der Frauen aufmerksam zu machen. Die Initiative Rote Tasche sei auf überaus positive Resonanz bei Gewerkschaften, Betriebsräten, politischen Parteien unterschiedlicher Couleur, Landesfrauenräten und Gleichstellungsbeauftragten gestoßen, so Kemmler. Der „Equal Pay Day“ soll eine Plattform für einen konstruktiven Dialog bieten und Wege aufzeigen, wie durch Regelungen – etwa durch eine ausgewogenere Aufgabenbewertung – , aber auch durch Verhandlungsschulungen für Frauen die Situation konkret verbessert werden kann. „Deutschland hat für sein massives Lohngefälle bereits Kritik aus Brüssel einstecken müssen“, sagte Schleicher in Anspielung auf eine Stellungnahme von EU-Sozialkommissar Vladimír Špidla, „es ist höchste Zeit, dass der Grundsatz ‚Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit’ hierzulande nun endlich Gültigkeit erlangt.“ Die Business and Professional Women setzen sich in über 80 Ländern für die Belange berufstätiger Frauen ein und genießen Beraterstatus bei den Vereinten Nationen und beim Europarat. Der BPW Germany gilt mit seinen bundesweit 38 Clubs und rund 1.750 Mitgliedern als größtes branchenübergreifendes Berufsnetzwerk für Frauen in Deutschland. Der in den 30er Jahren entstandene und 1951 neu gegründete Verband unterstützt berufstätige Frauen auf vielfältige Weise: Neben persönlichem Austausch, Vorträgen und Mentoring leistet das Netzwerk politisch-gesellschaftliche Lobby- und Projektarbeit auf nationaler und internationaler Ebene. Mit dem „Equal Pay Day“ unterstützt BPW die alte gewerkschaftliche Forderung nach gleicher Bezahlung, die schon eine Forderung von Clara Zetkin war. Heute ist in allen Tarifverträgen der Grundsatz ‚gleicher Lohn für gleiche Arbeit‘ verankert und eine Umgehung ist vor allem in Bereichen oder für Tätigkeitsgruppen (insbesondere Führungskräfte) möglich, in denen keine Tarifverträge gelten. In diesem Zusammenhang darf die gewerkschaftliche Forderung nach gesetzlichem Mindestlohn nicht unerwähnt bleiben, auch wenn sie Business and Professional Women nicht trifft, dafür überwiegend Frauen im Niedriglohnsektor und in Dumpingunternehmen. Die Entgeltdiskriminierung wäre in vielen Bereichen durch die Einführung eines allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns beseitigt. Gerne verweisen wir in diesem Zusammenhang auf den informativen Beitrag der ver.di-Frauen im Kalender WIR FRAUEN 2008. Da Frauen in Führungspositionen oft ebenso wie Männer den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen folgen, können Business and Professional Women möglicherweise mit verantwortlich sein für die Entgeltdiskriminierung bei Frauen mit niedrigeren Einkommen.

Gabriele Bischoff