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Sommer 2/2017

Onbemannt Missioun – Unbemannte Mission

von Melanie Stitz
„Schön, aber auch schwach und unbeholfen“  ist der Planet P2, der um seinen lukrativen Sauerstoff erleichtert werden soll. Die Firma, die diese Raummission erdacht hat, musste kürzlich ihren Vorsitzenden verabschieden. Der hatte „nur“ einer Journalistin „Komplimente“ zu ihrer Oberweite gemacht. Um das Image zu polieren, gibt sich die Firma nun „modern und tolerant“ und zeigt auf jedem Plakat auch eine Frau. Sorgt sich die Firmenleitung zunächst noch darum, dass die Rakete der Konkurrenz womöglich 5 cm länger sein könnte, stellen sich schon bald ganz andere Probleme ein: Die weibliche Besatzung okkupiert die Steuerung und sperrt die männlichen Kollegen in der Landungskapsel ein.  Die Astronautinnen haben nämlich einen ganz anderen Traum. Sie fordern – zunächst symbolisch – Gleichberechtigung doch wenigstens im Weltraum. Das also kommt davon, wenn man(n) Frauen ins All schickt, „nur weil sie kompetent und weiblich sind“. Während die männliche Besatzung  vor allem den Gesichtsverlust befürchtet, lernen die Frauen, dass freundlich vorgetragene Bitten nicht weit führen und Solidarität geboten ist. Und die Chefetage holt aus zum Gegenschlag…  „Onbemannt Missioun“  – zu deutsch: Unbemannte Mission – lautet der Titel dieses witzig-klugen Films, mit jeder Menge Anspielungen auf aktuelle Themen. Er besteht locker den Bechdel-Test: Mindestens zwei Frauen sprechen miteinander über etwas anderes als einen Mann.
Realisiert wurde der Film von Richtung22, einem unabhängigen Theater- und Filmkollektiv in Luxemburg , das 2010 aus verschiedenen Schüler*innengruppen entstand. Heute besteht die Gruppe hauptsächlich aus Studierenden, Schüler*innen ab 18 und jungen Berufstätigen. Jede*r Interessierte ist willkommen. Die Gruppe versucht, auf jede Form von Hierarchie zu verzichten, so gibt es z. B. keine*en Regisseur*in.
Der Film wurde 2015 in knapp 2 Wochen in einem  über die Sommermonate leerstehenden Konzertsaal produziert. Die Kulissen wurden für knapp 100 € gebaut. Ein großer Teil des Budgets von insgesamt 3.000 € wurde für Verpflegung und Miete des technischen Materials ausgegeben. „Es war uns bei diesem Projekt besonders wichtig, die in der Filmindustrie vorherrschende Unterteilung in „Männer- und Frauenjobs“ am Set konsequenter zu vermeiden als bei vorherigen Projekten und so z. B. möglichst viele Technikerinnen für Kamera und Ton zu gewinnen, auch die Aufnahmeleitung wurde von Frauen übernommen“, berichtet das Kollektiv im Email-Wechsel mit Wir Frauen. Derzeit versucht Richtung22 eine Debatte über Sexismus in den Medien zu starten, im Stil der „Stop BILD-Sexismus“-Kampagne gegen eine „Pin-Up“ Rubrik von RTL, dem meistkonsumierten Medium in Luxemburg.
Seit 2010 hat das Kollektiv schon einige gesellschaftlich relevante Themen in Theaterstücken und Filmen satirisch bearbeitet. Die  Künstler*innen setzen auf eine alternative Distribution. Der Film – in luxemburgischer Sprache – ist daher online frei zugänglich. Untertitel auf Deutsch, Englisch und Französisch können mit einem Klick auf das „CC“-Symbol aktiviert werden.
http://richtung22.org/onbemannt-missioun