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Herbst 3/2017

Heilslehren

Was kennzeichnet ein gelungenes, sinnerfülltes Leben? Was kann ich tun, um die Welt ein wenig besser zu hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe? Nach welchen Werten und Kriterien will ich mein Leben gestalten und Entscheidungen treffen? Was ist richtig, was ist wahr? Fragen wie diese sind vielleicht so alt wie die Menschheit. Seit Amtskirchen und Religionen in Glaubensfragen im Alltag vieler Frauen und Männer in Westeuropa kaum noch eine Rolle spielen, nimmt häufig eine säkulare Spiritualität diesen Platz im Leben ein. Dem Glaubenserlebnis in einer Gemeinschaft und/ oder auch dem erlebten solidarischen Miteinander stehen die individuellen Fragen der Einzelnen gegenüber.

Viele würden beim Hören und Sehen der Nachrichten gerne die Umstände, die Gesellschaft, überhaupt vieles ändern, aber Politik und MeinungsmacherInnen suggerieren ihnen, dass sie nicht den Überblick haben, was gut für sie und alle sei. Letztendlich sei Politik – so der neue Glaube – doch nicht mehr nachvollziehbar, Bürgerkriege irrational bzw. religiös bedingt. Das lohnt doch nicht die Auseinandersetzung… Sich dennoch ums Verstehen zu bemühen, vielleicht auch noch zu handeln, das kostet Zeit und Kraft. Wer Rahmenbedingungen ändern will, braucht einen langen Atem, muss sich zusammentun mit anderen… Ein mühsames Geschäft.

Da scheint es einfacher, Glück und Erlösung zu finden, in dem ich wenigstens mich selbst verändere, damit ich mich bei allem Stress wenigstens „wohl fühle“. Neben den unzähligen Büchern zu den Themen „Gesundheit & Wohlbefinden“, „Psychologie & Lebenshilfe“, „Spiritualität & und Geist“ boomt der Wellness-Markt und mit ihm eine ganze Reisebranche. Aber auch Gruppen, die ein neues, altes Gemeinschaftsgefühl vermitteln, haben wieder Konjunktur.

Was kann ich tun, damit ich mich hier und heute in diesem Leben wohl fühle, dass ich mir meine Gesundheit erhalte, FreundInnen und Familie zu mir stehen, dass ich erfolgreich im Beruf bin? Das sind die Fragen, die bewegen.

In dieser materialisierten Welt, in der ich alles kaufen kann, wenn ich nur das nötige Geld habe, bin ich allein verantwortlich für mein Wohlbefinden oder auch meine Niederlagen, sei es nun der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Gesundheit.

Das dem nicht so ist, ahnen viele. Zu sehr belastet sie die Verantwortung für das eigene Dasein, sie erkranken an den Umständen. Rückenschmerzen vom Tragen zu vieler Lasten und Depressionen/Angstzustände wg. der kaum zu überblickenden Lebensrisiken sind mittlerweile Volkskrankheiten, für die es allerdings keine Impfungen gibt. Welche Antworten gibt es auf dem Markt für Sinn und Seelenheil zu finden? Dieser Frage sind wir nachgegangen:

Sonja Vieten hat sich die historischen Frauen in der Missionskirche angesehen, Doris Heeger stellt uns eine Ahnherrin der New-Age-Esoterik vor, Uta Bange und Katharina Reiss, Mitarbeiterinnen vom Sekten- Info Essen e.V., klären über mögliche Probleme von weltanschaulicher Orientierung auf, Melanie Stitz vergnügte sich mit der Erkenntnis, eigentlich von der Venus abzustammen und Florence Hervé unterhielt sich mit Choreographinnen über die Grenze zwischen Wahnsinn und Erleuchtung. Außerdem liegt uns ein Dokument vor, das belegt, wie umfassend Heilung erfolgen kann, wenn frau nur dran glaubt….

Gabriele Bischoff

 

Inhalt dieser Ausgabe Gesamte Ausgabe downloaden

 

„Ich will Zeugnis ablegen für meinen Glauben“

Frauen in der Mission – eine historische Betrachtung

Sonja Vieten

 

„Töte die Liebe zum Leben!“

Die Heilslehre der Helena Petrowna Blavatsky

Doris Heeger

 

Auf der Suche nach Heil(ung)

– wenn weltanschauliche Orientierung zum Problem wird

Uta Bange und Katharina Reiss, Mitarbeiterinnen vom Sekten-Info Essen e.V.

 

Für ein besseres Miteinander

oder: Er kommt vom Mars und sie kann nicht einparken

Melanie Stitz

 

Zwischen Wahnsinn und Erleuchtung

Zur Tanz-Performance La Loca – Die Irre

Florence Hervé

 

Liebe Lilith

Satire

Doris Heeger

 

Infos zum Schwerpunkt

 

Andere Länder


Die Stadt der toten Frauen – Interview mit Judith Galarza

Frauenmorde in Mexiko

Interview: Sabine Schwabe, Miguel García-González

Frauen hoffen auf neue Regierung in Spanien

Ralf Streck

 

Frauenprojekte


Berlin – Stadt der Frauen!?

Barbara Hömberg und Astrid Landero

SEKA – ein optimistisches „Trotzdem“ in einer Welt voll negativer Schlagzeilen

Kultur


Heimat im Wort

Zur Lyrik von Rose Ausländer

Margret Karsch

Die Aufanischen Matronen

Annette Kuhn

Bella Malafemmina

Birgit Gärtner


 

Herstory

Lore Krüger

Cristina Fischer

 

Catharina Margaretha Linck

Angela Steidele

 

Daten und Taten

Johanna Melzer und Emma Goldman

Florence Hervé, Doris Heeger

 

Außerdem

 

gelesen