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Sommer 2/2019

So-, so-, solidarité avec les femmes du monde entier!

Aus Dakar Berichten zwei Vertreterinnen von Utamara in Kabach und Frau Schmitzz in Köln

Dakar am 6.2.2011: Die Sonne steht hoch am strahlend blauen Himmel, es ist heiß. Mehrere 10.000 Menschen, mehrheitlich AfrikanerInnen, haben sich versammelt, um zu demonstrieren und das 11. Weltsozialforum (WSF) zu eröffnen.

Eine andere Welt ist nötig!

Mehr denn je in Afrika und mehr denn je für Frauen, deren Präsenz in allen Gruppen unübersehbar ist. Sie protestieren gemeinsam mit Männern gegen Ausbeutung des Reichtums Afrikas, Landraub, Überfischung durch Fabrikschiffe aus Europa und Asien, Politik von Weltbank und IWF, die Kriege in zahlreichen Ländern des Kontinents. Sie fordern Frieden, Bewegungsfreiheit für AfrikanerInnen und alle Flüchtlinge, Entschuldung, Demokratie, das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Rechte für Menschen mit Behinderungen.

Gruppen von Frauen und Mädchen fordern selbstbewusst, kämpferisch und stolz das Ende von Gewalt an Frauen und Mädchen in all ihren Formen. Ihre Lautstärke und die Parole „Solidarität mit den Frauen der ganzen Welt“ sind unüberhörbar. Sie klagen z .B. den Femizid in Kivu, einer Provinz der Republik Kongo, an. Dieser steht im Zusammenhang mit dem Coltan-Abbau. Coltan ist ein begehrter Rohstoff und wird vor allem von den Ländern des Nordens für die Elektronikindustrie abgebaut.

Schon im Vorbereitungsprozess zum WSF hatten Frauen ihre spezifischen Anliegen und Forderungen eingebracht. In allen zwölf thematischen Achsen des WSF meldeten sich Frauenorganisationen zu Wort. Sie hoben die Bedeutung der Frauensicht zu allen politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Fragen hervor.

Auch in den gemischten sozialen Bewegungen setzen Frauen immer deutlicher ihre Forderungen durch. So eröffnete Via Campesina, eine globale Organisation für Landreform und Ernährungssicherheit in den Ländern des Südens, ihre Kampagne gegen Gewalt an Frauen auf dem WSF.

„Die Globalisierung unseres Kampfes ist die Globalisierung der Hoffnung.“

Mit diesem Satz leiteten die senegalesischen Organisatorinnen die erste Sitzung der Frauenvollversammlungen in Dakar ein. Etwa 500 Frauen aus sechs Kontinenten trugen ihre Standpunkte gegen das patriarchale kapitalistische System und ihre Forderungen für eine andere Welt zusammen. Hieraus sollte eine gemeinsame Abschlussresolution der Frauen entstehen.

Auf dem Gelände des WSF war ein „Frauendorf“ errichtet worden. Dort fand am ersten Tag das Afrikanische Frauenforum statt. Themen waren: Bildung für Frauen und Mädchen, ökonomische Autonomie als Voraussetzung für die Befreiung aus Unterdrückungsverhältnissen, alternative Produktionsformen, Zugang zu Land und sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung, Gewalt gegen Frauen, z. B. Genitalverstümmelung.

Die vielschichtige patriarchale Gewalt, mit der Frauen in Kriegsgebieten konfrontiert sind, wurde durch die Teilnehmerinnen scharf verurteilt.

Für die Überwindung der persönlichen und gesellschaftlichen Traumata wurden als wichtige Ansatzpunkte die selbstbestimmte Beteiligung von Frauen am demokratischen Neuaufbau der politischen und gesellschaftlichen Strukturen sowie die internationale Solidarität unter Frauen hervorgehoben.

Flüchtlingsfrauen, die vor den bewaffneten Konflikten in Mauretanien und Sierra Leone in den 1990er Jahren nach Senegal geflohen waren, erzählten von den Schwierigkeiten dort als politische Flüchtlinge und nicht als Konkurrentinnen im Überlebenskampf gesehen zu werden. Manchmal bleibt ihnen und ihren Töchtern nur die Prostitution, um der Armut zu entkommen.

Vertreterinnen kurdischer Fraueneinrichtungen berichteten von der Kampagne „Unser Freiheitskampf wird die Vergewaltigungskultur überwinden“, mit der sie im vergangenen Jahr die strukturelle und die persönliche Ebene sexistischer Gewalt breit thematisierten.

Frauen aus der West-Sahara prangerten die systematischen Menschenrechtsverletzungen der marokkanischen Besatzungskräfte an und riefen zur Solidarität für ihr Recht auf Selbstbestimmung auf.

Frauen aus der Casamance, Senegal erweiterten die Parole „So-, So-, Solidarität …“, die auf allen Versammlungen gemeinsam angestimmt wurde, mit dem Zusatz „… und für den Frieden in der Casamance!“, um auf die zerstörerischen Auswirkungen des von der internationalen Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen bewaffneten Konflikts dort aufmerksam zu machen.

Trotz der Unterschiede waren die Diskussionen und Begegnungen von der Entschlossenheit und Hoffnung auf Veränderung gekennzeichnet.

Der Abschluss der Frauenvollversammlungen zeigte jedoch, dass ein globales Zusammenkommen gut vorbereitet sein muss. So verhinderten die Provokationen einiger marokkanischer Frauen, dass in der Abschlussresolution zur Solidarität mit den Frauen aus der West-Sahara aufgerufen wurde. Stattdessen einigten sich Frauenorganisationen und -netzwerke darauf, den Entwurf für die Abschlussresolution als Solidaritätserklärung zu deklarieren und namentlich zu unterzeichnen. Dies hinterließ einen bitteren Nachgeschmack und führte zu der ernüchternden Erkenntnis, dass es dringend notwendig ist, Chauvinismus auch innerhalb der globalen Frauenbewegung zu hinterfragen. Nur dann kann der Parole von Solidarität eine entschlossene Praxis folgen, die eine Globalisierung des Kampfes und der Hoffnung möglich macht.

www.marchemondiale.org, www.viacampesina.org