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Frühjahr 1/2019

Erstmalige Verleihung des Augspurg-Heymann-Preises

Die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in Nordrhein-Westfalen e.V., ein Zusammenschluss von 48 überwiegend ehrenamtlich engagierten Lesbengruppen, Vereinen, Initiativen und Projekten in NRW, verleiht 2009 erstmalig den Augspurg-Heymann-Preis für couragierte Lesben.

Mit diesem neu geschaffenen Preis sollen lesbische Frauen ausgezeichnet werden, welche couragiert und im Sinne der Ziele der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW öffentlich wirken. Die Preisträgerinnen sollen durch ihre Arbeit und Öffentlichkeit vorbildhaft dazu beitragen, Lesben mehr Sichtbarkeit zu verleihen und ihrer Diskriminierung entgegenzuwirken. Dadurch machen sie nicht nur vielen anderen lesbischen Frauen Mut, sich zu bekennen. Sie ebnen den Weg für mehr Toleranz und Akzeptanz gegenüber Lesben in der heutigen Zeit.

Diesen stolzen Frauen wird mit dem Augspurg-Heymann-Preis die Wertschätzung entgegengebracht, welche sie für ihre Courage verdienen. Auch soll anderen Frauen damit ein Anstoß gegeben werden, sich an ihnen ein Vorbild zu nehmen.

Als Namensgeberinnen des Preises werden zwei Frauen gewürdigt, „die“ – so beschreiben sie es selbst in ihren Memoiren Erlebtes – Erschautes „… die Vorurteile ihrer Zeit zu überwinden hatten, sich als gereifte, auf- und vorwärts strebende Menschen in gleicher Weltanschauung begegneten, um in treuer Freundschaft und ungetrübter Verbundenheit jahrzehntelang den Kampf für Freiheit und Aufstieg zu führen“: Dr. jur. Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann – zwei politisch-feministische Aktivistinnen, die in der Zeit zwischen 1890 bis zu ihrem Tod 1943 in der ersten deutschen Frauenbewegung und der internationalen Frauen-Friedensbewegung gewirkt haben.

Gewürdigt wird das Engagement der beiden Frauen in ihrer Verbindung – das kompromisslose Zusammenstehen und Zusammenhalten, die Mut machende Kraft, die beide augenscheinlich aus ihrer Verbundenheit gezogen haben, die von Toleranz und gegenseitigem Respekt geprägt war.

Am Tag der Preisverleihung, am 28. Juni 2009, jährt sich der Aufstand in der Christopher Street in New York City bereits zum 40. Mal. Dies ist ein würdiger Zeitpunkt, um den Augspurg-Heymann-Preis zum ersten Mal zu verleihen.

Im Internationalen Zentrum in Köln erhält Mirjam Müntefering als erste Preisträgerin diesen Preis. Ihre Romane thematisieren die lesbische Sexualität und vor allem die Probleme junger Menschen, mit diesen Empfindungen umzugehen und in ihrem Leben einen Platz zu finden. Das vielfältige lesbische Alltagsleben mit seinen Freuden und Tücken findet in ihren Geschichten viel Raum, um sich zu entfalten und den Leserinnen ein Mal mehr Lebenshilfe, Antwortgeber oder einfach „nur“ Inspiration zu sein. Des Weiteren schreibt sie Kinder- und Jugendbücher und ist Hundetrainerin. Seit dem Erscheinen ihres ersten Buches „Ada sucht Eva“ im Jahr 1998 steht Mirjam Müntefering im Interesse der Öffentlichkeit – 1999 kommt es zu ihrem öffentlichen Coming-Out in der Presse – ihr privates Coming-Out hatte sie bereits zehn Jahre vorher, 1989.

Die Preisskulptur „Wächterin“ wurde von Amsel – Gerlinde Korn aus der Eifel entworfen und gestaltet. Sie arbeitet mit verschiedenen Techniken und Materialien, vornehmlich Holz. Die Doppelfigurine symbolisiert Stolz, Kraft, Weiblichkeit, Verbunden- und Entschlossenheit – also vielfältige Nuancen und Facetten lesbischen Lebens.

Moderiert wird die Veranstaltung von der Kabarettistin Kordula Völker, als musikalische Begleitung konnte „Lydies lesbische Verwandtschaft“ gewonnen werden, das erste lesbische Akkordeonorchester Deutschlands. Die Preisverleihung wird unterstützt vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration in Nordrhein-Westfalen sowie von der Dienstleistungsagentur Allround-Team in Köln und dem NRW-Landesverband der Wirtschaftsweiber.

Gabriele Bischoff

fh