Logo
Frühjahr 1/2017

Wie kann Frau wertschätzen

Das Thema Wertschätzung hat einige von uns an ihre Grenzen gebracht. Es ist uns nicht leicht gefallen, nicht ins Sinnliche und allzu Persönliche abzudriften. Denn wir Frauen tragen schwer an dem Päckchen Wertschätzung und noch schwerer daran, mit unseren Leistungen, unserem Engagement, unseren Ideen – egal in welchem Bereich – eben nicht wertgeschätzt zu werden.

Wie sehr der Anspruch auf Gleichberechtigung und der auf Wertschätzung zusammengehören, wird schnell an der Forderung „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ deutlich. Immer wieder hören wir von solchen Beispielen: Der Kollege eines männlich strukturierten Landesverbandes leistet die gleiche Arbeit wie die Kollegin eines ähnlichen, aber weiblich strukturierten Landesverbandes. Schon sehr früh in der Förderphase (Landesmittel) hat der „Männer“-Vorstand Mittel für eine höhere Eingruppierung und eine Verwaltungskraft beantragt, Projektmittel werden vor allem für zuarbeitende Honorarkräfte verausgabt. Der ‚weibliche’ Landesverband war und ist vor allem darum bemüht, vorhandene Projektmittel möglichst vielen Projekten und Ideen zu Gute kommen zu lassen. Sprich: hier flache Hierarchien mit dem Bemühen, Geld in die Fläche zu geben, und dort personalintensivere Hierarchien, so dass kaum Mittel für konkrete Projekte übrig bleiben.

Mit dem Ergebnis, dass der Kollege besser bezahlt wird und über zuarbeitende hauptamtliche Mitarbeiter_innen verfügt und damit nach den Gesetzen der Marktwirtschaft mehr „wertgeschätzt“ wird, während die Kollegin für ihr Organisationstalent und ihre innovativen Ideen nach dem Motto „Aus wenig mach mehr“ viel Anerkennung bekommt, aber schlechter bezahlt wird. Da beide in vorwiegend ehrenamtlichen Strukturen tätig sind, haben sie über Gebühr viel Arbeit und stoßen oft an ihre Grenzen.

Das Dilemma: Wir wollen Anerkennung, die sich eben auch finanziell ausdrückt, angesichts der eklatanten Ungerechtigkeit, dass Frauen immer noch für gleiche Arbeit weniger Geld bekommen. Zugleich sind wir aber immer wieder auch bereit, für „die Sache“ persönlich zurückzustecken, mit anderen zu teilen und Wertschätzung nicht nur in Geld aufzuwiegen. Unser Weg, ein Stück Utopie zu realisieren? Oder doch wieder nur die „typisch weibliche“, uns ansozialisierte Bereitschaft, auf unseren Anteil an Macht, Einfluss, Geld … zu verzichten?

Da stellen sich viele Fragen: Wie kann Wertschätzung ausgedrückt werden, wenn es auch im Non-Profitbereich immer wieder um Profit und die Gesetze der Marktwirtschaft geht? Gibt es Alternativen? Und was genau verstehen wir unter ‚Wertschätzung‘? Dazu haben sich vier Redakteurinnen getroffen und sich einige Stunden lang ausgetauscht. Außerdem beleuchtet Kerstin Wolff die feministische Geschichtsschreibung, wir geben Beispiele für wertschätzendes Konsumieren und Sonja Klümper zeigt auf, wie die Weltwirtschaft für den Welthunger verantwortlich ist. Frauen verschiedener Länder und Kulturen sollen sich kennen lernen, um sich schätzen zu können, davon handelt das CENI-Projekt, und Isolde Aigner würdigt Maria Mies für ihr lebenslanges „Kümmern“.

 

Inhalt dieser Ausgabe

Wertschätzung und Genuss

Ein redaktioneller Austausch

Das Erbe des Feminismus

Kerstin Wolff bringt Gestern und Heute zusammen

Pappsatt – wie das Geld die falschen Hälse stopft

Sonja Klümper zeigt falsche Werte

Frauenstärken durch internationale Begegnung

Cenî lädt Frauen ein zum Miteinander

Fairer Handel wertschätzt produzierte Güter

Drei Beispiele

Maria Mies: Wertschätzung von Mensch, Land, Natur

Isolde Aigner würdigt ihr lebenslanges Streiten

Kommentar


Medientransparenz? Nein Danke

Krieg und Frieden


Kubanischer Frauenalltag und Träume

Widerstand in der türkischen Lederindustrie

Kämpfe gegen Großstaudammprojekte in Brasilien

Projekte


Frauenzentrum: Perspektiven in Eisenach

Kultur


Rückblick: Ausstellung „Female Trouble“

Missy hat eine Mission

Herstory


Anne Goeldi nach über 200 Jahren rehabilitiert

Gesehen


Mein Freund aus Faro

Science of Horror

Daten und Taten


Audrey Lorde, Bertha Pappenheim

Außerdem

Korinthe: Steuerhinterziehung 2007

Hexenfunk

gelesen