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Frühjahr 1/2017

Konsum und Verbrauch

Konsum ist geil. Er bereitet Lust und Freude, ist authentisch-spontane Selbstverwirklichung… Verführerisch und erlebnisorientiert umgarnt uns die Werbung, sie legt uns erstaunliche Produkte ans Herz und verspricht Lösungen für Probleme, von denen wir vorher nicht wussten, dass wir sie haben. In ihrem Artikel zum Thema Suffizienz wirft Sonja Vieten die Frage auf, ob und unter welchen Bedingungen weniger manchmal mehr sein kann.

Kaufentscheidungen sind emotionale Entscheidungen. Angesichts der großen Auswahl an Produkten fühlt sich so manche Verbraucherin überfordert. Deshalb sind RatgeberInnen gefragt, ob nun die beste Freundin, Stiftung Warentest oder der Ökotest. DemonstrantInnen vor Kaufhäusern oder Pelzläden, Boykott-Aufrufe und Konsumkritik provozieren wahlweise Widerstand, Rechtfertigung, Trotz oder Resignation:

„Wenn ich am Abend von der Arbeit komme, dann hat hier nur noch LIDL auf.“

„Ich stehe nun einmal auf diese weichen Hamburger!“

„Egal wo und was ich kaufe, es haben doch alle Dreck am Stecken.“

Mitunter trotzigen Widerstand provozieren auch die schwarz-geränderten Warnhinweise auf Zigarettenpackungen. Christine Grüter ließ sich von ihnen inspirieren und entwarf ihre eigenen Warnungen. Wir haben die folgenden Seiten mit einer Auswahl gespickt.

Der eigene Anspruch, sozial, ökologisch, politisch korrekt zu konsumieren gerät immer wieder in Konflikt mit dem Wunsch – je nach Einkommen kann auch von Zwang gesprochen werden – Aufwand, Geld und Zeit zu sparen. Mit der Frage, welche Partei wähle ich, beschäftigen wir uns alle paar Jahre. Die Frage, wo kaufe ich was und zu welchem Preis, fordert uns fast täglich neu heraus. Widerständiges Kaufverhalten kann ein wirkungsvolles Druckmittel sein. Auf solchen Druck haben Kaffee, Tee, Schokolade und all die anderen Produkte mit dem „Trans-Fair“-Siegel die Nische verlassen und sind in den Supermärkten und in den Cafés angekommen. Stiftung Warentest hat in seine Prüfkriterien mittlerweile auch die sozial-ökologische Unternehmensverantwortung aufgenommen.

In Sachen fairer Handel gibt es noch viel zu tun: Die Kampagne für „Saubere“ Kleidung (Clean Clothes Campaign, CCC) prangert aktuell bei „Tchibo: jede Woche eine neue Welt?“ an und protestiert – unterstützt von Terre des Femmes – gegen die Arbeitsrechtsverletzungen in Bangladesch. In Honduras lässt Adidas für einen Lohn von umgerechnet 110 Euro im Monat schuften, das reicht bei weitem nicht aus, um die Grundbedürfnisse einer Familie zu befriedigen. Für alle, die mehr wissen wollen, stellt Sonja Klümper mit dem Schwarzbuch Markenfirmen einen Ratgeber vor, der zornig macht und die Auswahl beim Einkauf erleichtert.

Obwohl es bei der Ernährung um existentielle Fragen geht, geben private VerbraucherInnen vergleichsweise wenig Geld für Nahrungsgüter und Genussmittel aus: im Durchschnitt 13,8 % ihres Einkommens. Öko-Produkte haben insgesamt nur einen Anteil von 4,2 % am Verzehr von Nahrungsmitteln. Dabei stellen sich viele die Fragen: Welche gesundheitlichen Risiken bergen unsere Nahrungsmittel, insbesondere die genmanipulierten? Was tut uns wirklich gut? Wem können wir trauen? Gesundes Misstrauen ist angebracht: In ihrem Film „Der Diät-Krieg“ beschreibt Karin Haug, mit welchen Mitteln finanzstarke Lobbygruppen der Nahrungsmittelindustrie renommierte Forschungsgruppen dafür gewinnen, „wissenschaftlich- fundierte“ Ernährungspyramiden nach ihrem Ge schmack zu entwerfen. So konnte die GEO im Mai 2005 vier aktuelle Ernährungspyramiden vorstellen, in der je nach Gusto vor zu viel Kartoffeln und Nudeln gewarnt wird oder vor Fleisch und Fett oder auch vor Vollkornprodukten.

Tagtäglich verwenden und verbrauchen wir toxische Materialien, kommen mit Chemikalien in Berührung oder atmen ätzende Düfte. Deshalb forderten Umweltschutz-, Frauen- und Gesundheitsorganisationen am 8. März unter dem Motto „Frauen werden giftig“ eine giftfreie Zukunft. Juliane Grüning berichtet davon.

Frauen werden gezielt als Käuferinnen beworben. Zahlreiche Werbespots appellieren an ihre vermeintlich besondere Verantwortung als „Ernährerin“ und „Gesundheitsmanagerin“ der Familie: enthalten Bonbons und Joghurt auch genug Vitamine für die Kinder? Ist die Klobrille auch wirklich absolut keimfrei? Auf vielfältige Weise erneuern und aktivieren frauendiskriminierende Anzeigen und Spots täglich alte Klischees. „Sex sells“ – so glauben die Macher der Werbung noch immer. Sonja Klümper analysiert das immer noch aktuelle Phänomen in einem Artikel.

Trotz allem und erst recht: Genussvollen Widerstand!

Melanie Stitz und Gabriele Bischoff

 

Inhalt dieser Ausgabe Gesamte Ausgabe downloaden

Suffizienz oder „Weniger ist manchmal mehr!“

Sonja Vieten

Die Machenschaften der Weltkonzerne – Das neue Schwarzbuch Markenfirmen

Sonja Klümper

Frauen in der Werbung

Konsumwerbung auf Kosten der Frauen

Sonja Klümper

Frauen werden giftig

Umweltschutz-, Frauen- und Gesundheitsorganisationen fordern eine giftfreie Zukunft

Juliane Grüning

Infos zum Schwerpunkt

 

Andere Länder


Peking + 10: Frauenrechte stärken

Protesterklärung gegen die Verhaftung der Friedensmutter Müyesser Günes

„Heute entscheiden wir selbst, was wir brauchen!“

Melanie Stitz

Eine Christin unter´m Kopftuch – ein Erlebnisbericht aus dem Gottesstaat Iran

Mandana Mesgarzadeh

Ein Frauenverein in der Südosttürkei

Melanie Krebs

 


 

„Wir sind dabei – für Chancengleichheit und Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen!“

Bundesverband der Migrantinnen in Deutschland

 

Black is beautiful – Die erste Internationale Woche Schwarzer Frauen in Deutschland

Peggy Piesche (ADEFRA e.V.)

 

Kultur

Von Hexen, Zauberinnen und anderen streitbaren Figuren

Uschi Siemens

 

Herstory

Düsseldorfer Künstlerinnen in der NS-Zeit

Gudrun Lukasz-Aden/Christel Strobel

 

Daten und Taten

Gudrun Ensslin und Sophie von Hatzfeldt

Sonja Klümper, Mechthilde Vahsen

 

Außerdem

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