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Sommer 2/2017

Abenteurerinnen

Sie haben sich nicht damit begnügt, heimlich ihr Haar zu lösen. Stattdessen haben sie Grenzen überschritten und sind weitergegangen als man es für möglich hielt. Sie haben Gefahren nicht gescheut und Risiken in Kauf genommen. Als Pionierinnen waren sie mitunter ihrer Zeit voraus und wurden ermutigende Vorbilder für jene, die nach ihnen kamen. Anlässlich des Internationalen Frauentags widmen wir den Schwerpunkt allen Frauen, die ihrer Lust auf Abenteuer folgen und aufbrechen zu neuen Ufern.

Abenteurerinnen: Was trieb sie und was lockte sie? Inwiefern beeinflussten sie das Denken ihrer Zeitgenossinnen und –genossen? Aber auch: Was erlebten sie beim überschreiten ihrer Grenzen, fern ihrer Heimat, allein auf hoher See oder als Gipfel- und Himmelstürmerinnen, beim Einsatz ihres Lebens?

Auf unserer Suche stießen wir auf viele Namen und Geschichten, die wert sind zu erinnern:

Zu Lande

Wenn in früheren Zeiten Menschen Expeditionen in ihnen unbekannte Gegenden unternahmen, dann taten sie das in der Regel mit ökonomischen oder kriegerischen Zielen. Im Mittelalter gab es die großen Pilgerreisen (der Anteil der Frauen wird auf zwischen 33 und 50 % geschätzt), im 15. und 16. Jahrhundert die Entdeckungsreisen und im 18. Jahrhundert die Forschungs- und Wissenschaftsreisen. Von all diesen Unternehmungen waren Frauen meist ausgeschlossen oder wurden bestenfalls als Mitreisende mitgenommen: Im 17. Jahrhundert zum Beispiel wanderten Frauen aus England und Frankreich in die nordamerikanischen Siedlungskolonien aus. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es Frauen von Diplomaten, Kolonialherren oder Missionaren, die als Agentinnen bzw. Nutznießerinnen der Kolonialmächte unterwegs waren. Jessica Puhle widmet sich exemplarisch Gertrude Bell, deren Motivation und Wirken sicher Stoff für Diskussionen bietet.

In eisigen Höhen

Extrem-Bergsteigerinnen brauchen Ausdauer und rücksichtslosen Überlebenswillen, Härte gegen sich selbst, Mut und Willensstärke sowie eine gehörige Portion Besessenheit. Sonja Vieten stellt Frauen vor, die ihr Leben riskierten, um die höchsten Gipfel der Erde zu bezwingen.

Zu Wasser

Seit Urzeiten treibt es die Menschen auf die Meere. Bereits in der griechischen Mythologie unternahm Odysseus seine Schiffsreisen. Jahrhunderte danach entdeckten große Kapitäne und Abenteurer die sieben Weltmeere, „Herren auf blauen Tiefen und das Herz der Seefahrt“. Raue Seebären und Seeräuber, Freibeuter, Kaperfahrer, Barbaresken, Bukaniers, Piraten und Korsaren herrschten auf den Meeren und bestimmten an Bord. Und die Frauen? In der Männerwelt der Meere waren Frauen höchstens Galionsfiguren, Seeungeheuer, verführerische Sirenen und manchmal Musen. Frauen an Bord, das bringt Unglück, heißt es.

Inzwischen wissen wir, dass es bereits in der Wikinger-Zeit zahlreiche Piratinnen gab, die sowohl Mut wie hervorragende Navigationskenntnisse besaßen. Frauen wagen es heute, mit dem Segelboot oder mit dem Surfbrett die Ozeane zu durchqueren. So Peggy Bouchet, die als erste Französin den Atlantik mit dem Ruderboot überquert hat und die hier von Florence Hervé vorgestellt wird.

Zur Luft

Nicht nur das Meer rief und ruft die Frauen: Der Himmel hat immer fasziniert, und der Wunsch zu fliegen ist nicht erst im 20. Jahrhundert entstanden. Auch wenn es vielleicht keinen weiblichen Ikarus gab, waren unter den ersten Ballonfahrern und Piloten doch auch Frauen mit von der Partie. Im folgenden werden einige Ballonfahrerinnen und Pilotinnen kurz vorgestellt, von denen manche ihre Abenteuer mit dem Leben bezahlt haben.

Frauen, die durchs Feuer gehen

Wie Hollywood Frauen inszeniert, haben wir in den Korinthen dokumentiert. Nur selten gibt es Frauen in Mainstream-Produktionen zu sehen, die aus der Rolle fallen, Spaß machen und provozieren. Jessica Puhle warf einen Blick aufs indische „Bollywood“ und fand dort „Fearless Nadja“, die peitschenschwingende Schauspielerin und Stuntfrau.

Auch Abenteurerinnen haben klein angefangen

Noch vor einigen Jahren gab es feministische Kritik an den Figuren aus der Kinderliteratur: von Kalle Blomquist bis Janoschs Tierwelt – wo blieben da die Mädchen? Und haben Mädchen-Abenteuer wirklich immer was mit Pferden zu tun? Lissy Klaus und ihre Tochter Johanna haben ihre Bücherregale durchforstet und geben einen Überblick über Abenteurerinnen in der Kinderliteratur.

Florence Hervé und Melanie Stitz

Inhalt dieser Ausgabe Gesamte Ausgabe downloaden

Gertrude Bell

Erfinderin Iraks und Meisterin des Netzwerkens

Sonja Vieten

Frauen auf den Dächern der Welt

Abenteurerinnen am Berg

Sonja Vieten

„Immer wagen, manchmal nachgeben, nie aufgeben.“

Peggy Bouchet, die erste Französin, die im Ruderboot den Atlantik überquert hat

Florence Hervé

„In der Luft zu Hause“

Neun Himmelsstürmerinnen

Melanie Stitz

Fearless Nadia

Die Rächerin von Bollywood

Jessica Puhle

Kinder- und Jugendbücher über Abenteurerinnen von A bis Z

Johanna und Lissi Klaus

Kultur

Schatten

Renate Neumann

Kopftuchdebatte

Jessica Puhle

Andere Länder


Systematische Folter in Spanien

Interview mit Nekane Txapartegi

Ralf Streck

Die Frauen in Schwarz aus Belgrad

Ulrike Reimann/Marijana Grsak

Afghanistan: Ein Frauenministerium in einer männerdominierten Gesellschaft

Birgit Gärtner

Einführung der Scharia in Irak?

Karin Leukefeld

Nachlese vom Frauenforum beim Europäischen Sozialen Forum in Paris

Erni Friholt

Leyla Zana muss endlich frei sein!

Florence Hervé


 

Daten und Taten

Helen Ernst und Louise Farrenc

Cristina Fischer, Antje Olivier

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